Meier Theodor I (Beck Meier)

Meier Theodor I. (1898-1982)
Die Familie Meier in der Bäckerei Bettswil stammt ursprünglich aus dem Hof. Sie kann mittlerweile 15 Generationen überblicken. Vom Hof über das Rüeggenthal und Rüetswil gelangt die Familie mit Gottfried Meier 1891 nach Bettswil. In Rüetswil erlebt der junge Mann, der infolge eines Unglücks als Halbwaise aufwachsen musste, bei Familie Egli die Kraft und den Trost des christlichen Glaubens. Später wird er mit seiner Familie zu einer tragenden Säule der frühen Methodistenkirche. Nach einer Lehre bei Bäckereien im Rad-Gibswil sowie in Hittnau, pachtet er mit seiner Frau Karline Kunz ab dem Riet eine Bäckerei in Elgg. Schon beizeiten flüstert ihm Hafner Heinrich Knecht aus dem Zelgli zu: «Wenn du irgendwo eine gute Bäckerei kaufen kannst, will ich dir gerne helfen!» 1891 ist es soweit. Kaspar Bachmann in Bettswil verkauft sein Wohnhaus samt einer Bäckerei, einer Wirtschaft, einem Magazin, einer Scheune und etwas Land an Johann Gottfried Meier. Die Wirtschaft wird geschlossen, weil es in Bettswil noch drei weitere Wirtshäuser gibt und die Meiers sich lieber aufs Backen fokussieren.

Allerdings bestehen um die Jahrhundertwende in der Gemeinde Bäretswil noch elf andere Bäckereien: Kägi in Mittelbettswil, Peter in Hinterburg, Pfenninger in Wappenswil, Girsberger auf der Neuthaler Müli, der «Löwen», das «Freieck» und der «Froberg» in Adetswil, die «Linde» und Familie Egli (später Kofel) beim Lindenplatz, Pfenninger an der Bahnhofstrasse und der «Freihof» im Oberdorf. Im Vergleich zu heute konsumieren die Familien unvergleichlich mehr Brot als heute. Eine sechsköpfige Bauernfamilie in Vorderbettswil zum Beispiel, bestehend aus Eltern, Grosseltern und zwei Kindern, benötigt 1950 pro Woche gegen 20 Pfund Brot aus den Bäckereien in Bettswil, Wappenswil, «Linde» und Kofel.

Für Konkurrenz ist also gesorgt. Vier auswärtige Bäcker bringen das Brot nach Bettswil. Auch Beck Meier macht nun seine Brottouren auf den Berg, ins Tal und ins Dorf. Bald benötigt er 40-50 Sack Mehl pro Woche, alles aus der Traditionsmühle Balchenstal.

Bäckermeister Theodor Meier 1968 im Alter von 70 Jahren bei Schnee und Hudelwetter mit Ross und Wagen bei der Matt-Bettswil.
Bäckermeister Theodor Meier 1968 im Alter von 70 Jahren bei Schnee und Hudelwetter mit Ross und Wagen bei der Matt-Bettswil

1911 brennt die Bäckerei Ott in Mittelbettswil ab, und Beck Meier kann die Liegenschaft samt einer Scheune und etwas Land erwerben. Von den fünf Söhnen der ersten Bettswiler Generation lernen deren drei den Bäckerberuf. Theodor Meier führt den Bettswiler Betrieb mit geschäftlichem Geschick in die zweite Generation. 1929 baut er den Laden aus und erweitert die Landwirtschaft. Bis 1959 wird das Brot im guten alten Holzofen von 1898 gebacken. Besonders beliebt sind die meisterhaft hergestellten Wähen, die Meier mit starker Bodenhitze aus dem Holzofen zaubert. Ein ganzes Dutzend oder noch mehr grosse Wähen stehen am Samstagvormittag um 11 für die Kundschaft zum Abholen bereit. Wähen mit halben Aprikosen, Rhabarber, Sante-Hansebeeri, Chriesi oder Boskoop-Apfelschnitzen lagern beinah schwimmend im Anken hinter der Eingangstür im Regal. Wer sich daran erinnert, dem läuft noch heute das Wasser im Mund zusammen! Wähen aus Weggli-Teig sind und bleiben Theodor Meiers besonderes Markenzeichen.

1958 wird Theodor Meier als Vertreter der Schulwacht Bettswil in den Gemeinderat gewählt, dem er während 8 Jahren mit seinem Freund Samuel Bohli angehört. Sonntag für Sonntag während über 50 Jahren sammelt Theodor Meier die Tanner Sonntagsschüler, deren festliche Weihnachtsfeiern das geräumige Schulhaus jeweils kaum zu fassen vermag. Er war ein Kinderfreund, und der Schreibende hatte an ihm einen unvergesslichen Götti.

Seit 1960 steht in der Bäckerei ein erster Elektro-Ofen, der viele Arbeitsgänge einspart und die Produktivität erhöht.  Damit schlägt auch die Stunde für den Übergang zur dritten Meier-Generation, zum Stabwechsel von Theodor I zu Theo II. Nicht zu vergessen ist Theodor Meiers Frau Pauline Schoch ab dem Eggwegwald, die bis 1971 als angenehme Verkäuferin hinter dem heimeligen Landenkorpus steht und die sich laufend vergrössernde Kundschaft überzeugend zu bedienen weiss. Artikel wie die «Dörflitorte» oder die «Schwarzwäldertorte» werden schon damals durch Mund-zu-Mund-Propaganda bis nach Wetzikon verkauft. Theo Meier III. engagiert sich ab 1990 in der Primarschule, seit 1994 als deren Präsident. Die Stabübergabe zur vierten Generation wird bereits vorbereitet.
Lit.: A. Sierszyn, Bettswil (1978) 77-87.

siehe auch Mini Schwiiz Dini Schwiiz 2020

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