Bruder-Klaus Kapelle

Bruder Klaus Kapelle in Bäretswil.

Die Bruder-Klaus Kapelle (1943-1990) (gis) lag zwischen der kath. Kirche und dem kath. Pfarrhaus an der Adetswilerstrasse und wurde nach dem Bau der neuen kath. Kirche 1990 nicht mehr benutzt. Sie wurde 2002 abgebrochen.

1868 zog die erste katholische Familie seit der Reformation von Schänis in Bäretswil ein, 1930 hatte es gut 250 Katholiken, die meisten als Gastarbeiter für den Bau der UeBB oder für die Webereien aus dem Süden zugezogen. Mit den französischen Internierten im 2. Weltkrieg verdoppelte sich die Zahl nahezu. Unter Pfarrer Helbling von Bauma und dem ersten Pfarrer von Bäretswil, Carl Enggässer, wurde von Architekt Gaudy die Bergkirche geplant, aus finanziellen Gründen aber nur der Pfarrsaal als Bergkapelle gebaut und am 19. Mai 1943 die Aufrichte gefeiert, mit anschliessendem Mahl bei Bitschnaus im ,Alpenblick‘ – am 4. Juli 1943 erfolgte die Einweihung.
Ende 1988 zählte Bäretswil 805 Katholiken.

Ab 1985 wird unter Pfarrer Andreas Gamma und Kirchenpflegepräsident Franz Koster mit Architekt Karl Wenk eine neue Kirche geplant, am 6. August 1989 erfolgt der Spatenstich und am 9. Dez. 1990 Kirchweihe.
Im Mai 2002 wird die alte Bruder Klaus Kapelle abgerissen.
siehe auch Bruder Klaus (Bäretswil) – Wiki

Die Internierten und die Sonntagsmessen in der Schreinerei

aus „70 Jahre katholisch Bäretswil 1940-2010“ von Liselotte Forster:

„Die Folgen eines düsteren Kriegsereignisses gaben dem Wunsch nach einer eigenen Kirche neuen Auftrieb. Im Juni 1940 war der militärische Widerstand Frankreichs gegen Hitlerdeutschland zusammengebrochen und die Eidgenossenschaft nahm 41’000 französische und polnische Soldaten auf. An einer Besprechung einzelner Gemeindevorsteher des Bezirks am 7. August in Hinwil wurden der kleinen Gemeinde Bäretswil 110 Mann in Aussicht gestellt. Überraschend waren es dann 210 französische Militärinternierte, die bereits am 13. August eintrafen. Als Unterkünfte stellte die Gemeinde den leer stehenden obersten Saal der Weberei Neuegg zur Verfügung, weiters eine leer stehende Wohnung in der Sennerei Adetswil. Der Bären– und der Ochsen-Saal wurden als Essräume, das Ochsen-Säli als Schlafraum für Offiziere benützt. Im damaligen Sekundarschulhaus Dorf waren das Bureau und das Wachtlokal untergebracht.

«Die Soldaten, welche fast ausschliesslich katholisch waren, richteten sich ein, um ihren religiösen Pflichten nachkommen zu können. Initiant war der Theologiestudent Dubouchet. Die erste Sonntagsmesse für die internierten Soldaten fand am 15. August im Freien statt, auf dem Schulhausplatz Dorf.»
Während die wenigen protestantischen Internierten die Gottesdienste der reformierten Kirche in Bäretswil besuchen konnten, waren den Katholiken Gottesdienstbesuche in Bauma oder Wetzikon nicht möglich: Internierte durften nämlich ihre Gemeinde nicht verlassen.
Deshalb wurde ihnen «… ein Holzschopf zur Verfügung gestellt zwischen dem evangelischen Pfarrhaus und der Wirtschaft Zur Alten Post. Hier wurden ca. sechs oder sieben Sonntagsmessen zelebriert und schliesslich musste umgezogen werden in die stillgelegte Schreinerei von H. Gübeli, gegenüber dem Haupteingang der evangelischen Kirche.
Folgende internierte Militärgeistliche waren für die Abhaltung der Messen besorgt:
Als Erster war es während vier bis fünf Wochen der Theologieprofessor Abbé Bergantz (Elsass) vom Interniertenlager Fischenthal, alsdann folgte Abbé Fournier (Jura) vom Interniertenlager Hittnau während sechs bis sieben Wochen. Alsdann kam Abbé Mourauchon (aus der Gegend von Bordeaux) vom Lager Wetzikon und schliesslich wurde als militärischer Seelsorger Abbé Total (Zentralfrankreich) vom Interniertenlager Gossau (ZH) nach Bäretswil versetzt.
»
Während ihres Aufenthalts rodeten die Soldaten das Wappenswiler «Eichholz», entschlammten den zur Weberei Spörri gehörenden Fabrikweiher in der Stöck und arbeiteten auf Bäretswiler Bauernhöfen und in Gewerbebetrieben.
«Im Ganzen dauerte die Abhaltung der Militärmessen knapp sechs Monate. Schon mit der Zelebrierung der ersten Messe fanden sich Bäretswiler Katholiken ein, die von den Franzosen eingeladen waren. Mehr und mehr «Zivilisten» besuchten die folgenden Gottesdienste, sodass die Zahl dieser auf ca. sechzig anwuchs…» ein Zeitbild von Aktuar Prosper Mura anlässlich der Kirchenkommissions-Gründung vom 16. März 1941.
Nach ihrem Abzug aus Bäretswil am 4. Februar 1941 Richtung Heimat entschloss sich Pfarrer Josef Helbling von der Mutterpfarrei Bauma, die Sonntagsmessen in Bäretswil beizubehalten, mangels anderer Möglichkeit in derselben baufälligen Schreinerei. Bis zu 90 Gottesdienstbesucher fanden sich dort ein. Hierauf wurde der Bau einer Kirche nicht nur ins Auge gefasst, sondern sogleich an die Hand genommen.“

zur 450-Jahr Gedenken der Versöhnung in Stans dank Bruder Klaus im Heimatspiegel Dez. 1931.

Literatur

1 - Liselotte Forster: 70 Jahre katholisch Bäretswil 1940-2010. Hrsg. Röm-kath. Kirchenstiftung Bäretswil 2011

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