Engelstein und Engelfluren

Vom Engelstein und anderen Engelfluren

Der Engelstein liegt am oberen Rand der alten Adetswilerzelg gegen Bäretswil und das Bussental. Die alte Engelsteinstrasse war seit jeher die Verbindung vom Adetswiler Oberdorf ins Bussental, denn die Bussentaler Fluren gehörten bis zum Chringelbächli  zum alten Adetswiler Hofbestand. Noch heute trägt die sonnige Flur über dem Bussental den Namen Zelg, d. h. Ackerland. Der Engelstein selbst lag über dem Letten zwischen dem Eichbüel und dem Lettenberg. Ein namengebender Stein ist dort nirgends mehr auszumachen. Die Flur erstreckt sich entlang der alten Strasse vom Vorderen bis zum Hinteren Engelstein.

Adetswil kennt auch eine Engelbreite westlich des Hofs Morglen sowie eine Engelwis; bei Rüetswil gibt es ein Engelholz. Engel-Fluren sind auch im übrigen Oberland nicht selten. Die Gemeinde Illnau kennt ein Engelbächli, Effretikon einen Engelsacher, Wila einen Engelgarten, Bubikon einen Engelberg. Dieser letzte Name stammt vermutlich vom Familiennamen Engeli, der 1650 in der Pösch zu Hause ist.

Ganz so einfach sind die Adetswiler Engel-Fluren nicht zu erklären, denn der genannte Familienname ist hier völlig unbekannt. Auch über Engelserscheinungen, vermeintliche oder tatsächliche, wird nicht berichtet. Albert Egli gibt 1951 in seinem Bäretswiler-Lied dem Engelstein einen Ehrenplatz: «Det ob em Dorf am Ängelschtei und änedra am Allmerai – do ziehts mi hi, det stohn i still und luege uf mis Bäretschwil».

Gerade bei mythologischen Namensformen ist es wichtig zu wissen, wie die entsprechenden Orte vor dem 18. Jahrhundert geheissen haben, weil in der rationalisierenden Zeit zwischen 1700 und 1800 manche unverständlich gewordenen Flurnamen verändert und einer neuen «verständlichen» Bedeutung zugeführt wurden. Der deutsche Altmeister der Namenforschung Hermann Jellinghaus konnte für die hessischen Dörfer Engelborn, Engelberg und Engelbach belegen, dass sie alle auf «Eng»-Fluren zurückgehen, welche allesamt Weideplätze waren (vgl. auch das deutsche Wort Anger). Auch die Adetswiler Engelbreite macht diese Entwicklung durch: 1541 Engetpreity -> 1596 Engenbreiti -> 1657 Ängletbreiti -> 1788 Engelbreite. Dasselbe gilt für den Engelstein und das Engelholz, wo im 17. Jahrhundert ebenfalls die Übergangsformen «Englet» bezeugt sind. Somit wurde der Adetswiler Flurname Engelstein im Mittelalter gebildet, als die Bauern dort oben – anders als im flacheren Ackerland des Äemet – ihr Vieh weideten. Als man den Sinn der alten Wortformen nicht mehr verstand, wurde aus Engetbreite eine Engelbreite und aus dem Engetstein ein Engelstein.
A. Sierszyn, Okt. 2020

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