Greifenberg

Gemälde der alten Burganlage von Greifenberg.
Burg Greifenberg

Die Burganlage Greifenberg auf dem 883 m hohen Stollen wird 1223 erstmals erwähnt und war einst ein Lehen des Klosters St. Gallen, das im 13. Jh. die Grafen von Rapperswil, danach die Freiherren von Hinwil innehatten. 1444 im Alten Zürichkrieg von den Schwyzern zerstört, wurde sie wieder aufgebaut, verlor aber an Bedeutung und war um 1800 nur noch als Ruine vorhanden.

Das Bild der Burg stammt aus dem Wappenbuch des Zürcher Ratsherren und Chronisten Gerold Edlibach (um 1490).

Guyer-Zeller plante einst eine Luftseilbahn auf den Greifenberg, aber schlussendlich hat er 1893 die Jungfraubahn vorgezogen und starb 1899 vor der Vollendung seines Greifenberg-Projektes.

Heute sind nur noch die Burghügel vorhanden (mit wunderbaren Grillierplätzen). Die letzten Mauern wurden 1852 für den Bau des Schulhauses Tanne verwendet[1].

In einem zweiten Rodungs- und Siedlungsausbau von 1100-1300 wächst die Bevölkerung stark. Ab 1200 entsteht die Rodungsburg Greifenberg mit der Mühle im Neuthal (Müetschbach) ab 1379. Zu deren Rodungen gehören die Höfe Hinterburg, Tanne, Hofer, Dunkelwies, Hessenhof und Altegg, Güter am Allenberg, der Rellsten und Bliggenswil [2].

Im 13. Jahrhundert konkurrieren die Rapperswiler, die Regensberger, die Toggenburger und die Kyburger um die Macht in der Gegend. Während die Rapperswiler ihre Macht im Oberland ausdehnen, breiten sich die Regensberger über das Tösstal aus. Um ihre Machtansprüche zu demonstrieren errichten die Freiherren von Rapperswil um 1220 die eindrückliche Burganlage auf Greifenberg, genau auf der Wasserscheide zwischen Glatt und Töss. Kurz darauf bauen sie auch das Städtchen Greifensee und geben beiden neben dem gleichen Namen auch die Greifenklaue ins Wappen.[3]

Nach dem Bau der Burg durch die Rappenswiler erscheint erstmals in einer Urkunde von 1223 Ulrich von „Griffenberch“, ein Bruder des Grafen Rudolf von Rapperswil, als Burgherr. Bis Ende des 13. Jahrhunderts sind es Ritter und Dienstmänner der Rapperswiler, die auf der Burg die niedere Gerichtsbarkeit ausüben. Im Jahr 1300 muss Elisabeth von Rapperswil aus Geldnöten die Burg an die Landenberger verpfänden. Doch schon bald danach müssen diese die Burg den Rittern von Hinwil verpfänden, die dort von ca. 1320 an fast 200 Jahre lang Burgherren bleiben.[4]

Das Schloss wird im Alten Zürichkrieg 1444 durch die Schwyzer zerstört, jedoch wieder aufgebaut. Nach dem Niedergang des Adels gelangt die Burg samt Gerichtsbarkeit(!) 1507 in die Hände des reichen einheimischen Bauern und Kriegshauptmanns Hans Bosshard. Im Laufe des 16. Jahrhunderts nagt indes am Schloss der Zahn der Zeit. Kaum jemand will noch in den kalten Mauern wohnen. Doch erst 1798 sinken die einst stolzen Rechte von Grifenberg in den Staub. 1852/53 wird aus den Steinen der Burg das Schulhaus Tanne gebaut.
1891 sieht der Grifenberg ein patriotisches Freudenfeuer zur 600-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft. Ein Jahr später erwirbt Guyer-Zeller den alten Burghügel. Im Hof eines neu erstandenen Schlosses sollten Freilichtspiele durchgeführt werden. Bereits liess er neue Steine auf den Berg führen (die z.T. noch sichtbar sind). Vom Bussenthal sollte eine Seilbahn auf „seinen“ Grifenberg führen, den er auch ins Netz seiner Wanderwege einbezog. Der schnelle Tod des Romantikers und Heimweh-Oberländers setzte den Plänen 1899 ein Ende. (Vgl. Der Allmann, 9.11.1891).[5]

Der Bäretswiler Guyer-Zeller also ohne Gryffenberg? – Oh nein! – Früh geplant ist halb gewonnen, wie ein Tagebucheintrag des jungen Adolf Guyer zeigt! mit Dreissig wollte er «eine brave, geistig und körperlich tüchtige und gut gebildete Hausfrau» ehelichen: «Auf Geld seh’ ich nicht und nur in letzter Instanz, denn das kann sich der Mann machen.» Und so heiratete er dann mit 30 die 21-jährige Anna Wilhelmine Zeller aus einer Stadtzürcher Färberei-Industriellenfamilie. Seine Frau und seine Geschäfte hielten ihn immer stärker in Zürich, von wo aus er seine Fabriken in Bäretswil leitete. Und so baute er sich 1883-85 mit einem Gottfried Semper Schüler in Zürich gleich selbst sein Gryffenberg an der Ecke Bahnhofstrasse/Börsenstrasse, ein prunkvolles Spätrenaissance Wohn- und Geschäftshaus – und nannte es Gryffenberg. Nebenan eröffnete er zur Finanzierung seiner Unternehmungen gleich auch noch eine Bank, die Guyerzellerbank. Diese wurde dann 1999 in die Hongkong-Shanghai Bank HSBC integriert.

Julius Studer widmet fast 30 Seiten seiner Chronik dem Thema Gryffenberg:
Bäretswil unter den niedern Gerichten der Herrschaft Gryffenberg.
a. Besitzer von Gryffenberg. (Die Edeln von Hinwil bis 1507)
[6]
b. Das Schloss auf dem Stollen
[7]
c. Die Gerichtsherrlichkeit. Hofrodel von 1475
[8]

Einen guten Überblick über Burg und Gerichtsbarkeit von Greifenberg gibt auch Paul Kläui in «Chronik Bezirk Hinwil» (Zürich, 1944). Siehe auch: «Die Bildung der Herrschaft Grüningen», Heimatspiegel Feb. 1944.


Literatur

1 - Ueli Müller: Greifenberg. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS) 2006, HLS
2 - Paul Kläui: Chronik Bezirk Hinwil. Verlag H.A. Bosch, Zürich 1944, Digitalauszug S.23ff
3 - Peter Niederhäuser: Heimatspiegel, Monatsbeilage des ZO. Juli 2011, Adlige Erinnerungskultur - Die Herren von Hinwil zwischen Blüte und Niedergang

Einzelnachweise

[1]Julius Studer: Die Geschichte der Kirchgemeinde Bäretswil. Zürich 1870, Digitalisat S.42
[2]A. Sierszyn, J. Albrecht: Bäretswil. Ein Heimatbuch. Hrsg. Pol. Gem. Bäretswil 2015, Inhaltsverz. S.55, 59
[3]A. Sierszyn, J. Albrecht: Bäretswil. Ein Heimatbuch. Hrsg. Pol. Gem. Bäretswil 2015, Inhaltsverz. S.68ff
[4]A. Sierszyn, J. Albrecht: Bäretswil. Ein Heimatbuch. Hrsg. Pol. Gem. Bäretswil 2015, Inhaltsverz. S.74ff
[5]A. Sierszyn, J. Albrecht: Bäretswil. Ein Heimatbuch. Hrsg. Pol. Gem. Bäretswil 2015, Inhaltsverz. S.517ff
[6]Julius Studer: Die Geschichte der Kirchgemeinde Bäretswil. Zürich 1870, Digitalisat S.30
[7]Julius Studer: Die Geschichte der Kirchgemeinde Bäretswil. Zürich 1870, Digitalisat S.36
[8]Julius Studer: Die Geschichte der Kirchgemeinde Bäretswil. Zürich 1870, Digitalisat S.43

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