Fasnacht / Hilaria-Sultanat Bäretswil

Bäretswiler Fasnachtstradition geht weit zurück. Die Fasnachtsbälle im Saal des  Gasthofs Bären waren weit herum bekannt. Dann wurde es von Jahr zu Jahr ruhiger. Neubelebt wurde der Brauch durch das Sultanat Bäretswil. Im Dezember 1971 gegründet, steht der Kinderumzug – so wollen es die Statuten – unter seinem Patronat.

Bildliste

Zu diesem Thema schreibt das Sultanat im Januar 1972 zuhanden der Zeitung (Zürcher Oberländer) folgendes: Am 21. Dezember 1971 ist in Bäretswil als Zweig der Hilaria Rüti das Sultanat Bäretswil gegründet worden. Als Sultan wurde Fred Heer ins Amt eingesetzt, der seinerseits Hans Peter als Tischmajor zum «Emir el Major» ernannte. Das Sultanat hat eigene Statuten und jedes Mitglied wurde mit der Übergabe einer Urkunde zum Muselmanen gesalbt. Neben der Förderung des Fasnachtstreibens und der Teilnahme am Bierkommerz hat sich das Sultanat weitere Aufgaben auferlegt, mit der Durchführung eines originellen Maskenballs und eines Kinderballes. Der diesjährige Inaugurations-Maskenball findet Samstag 12. Februar im Restaurant Frohberg, Adetswil, statt. Eintrittskarten werden nur gegen Voranmeldung abgegeben. Der Kinderball findet am Sonntag 13.02. im Restaurant Ochsen statt. Der Eintritt für alle maskierten Kinder ist gratis. Ebenfalls gratis wird ein kleiner Imbiss abgegeben. Besammlung der Kinder beim Restaurant Frohberg, anschliessend Marsch zum Ochsen. Teilnahmeberechtigt sind alle Kinder von 4 – 10 Jahren.

Plakat der Bäretswiler Glossen zur Fasnacht 1966

Das Hilaria Sultanat war und blieb eine reine «Männerbruderschaft». Die Gründerversammlung im Dez. 1971 reichte aber nicht aus um alle Themen zu behandeln und so wurde sie an einer weiteren Zusammenkunft am 14. Januar 1972 fortgesetzt. Zudem wurde beschlossen, dass zum gedanklichen Austausch und geselligen Beisammensein monatlich ein sog. «Höck» stattfinden soll. An dieser denkwürdigen Sitzung wurde auch der Entwurf der Standarte (Fahne) vorgeführt, welche von den Partnerinnen der Muselmanen angefertigt wurde.

Der Gründung vorausgegangen waren Verhandlungen mit der Hilaria Rüti (Pascha Eugen Walther und Kronrat Marc Bähler). Marc Bähler war zu jener Zeit Geschäftsführer der Werbeagentur Fred Heer, was die Verbindung erklärt.

Das Sultanat ist folgendermassen gegliedert: 1. Der Sultan (Allherrschendes Oberhaupt), 2. Der Hofrat bestehend aus Emir el Major (Zeremonienmeister), Omar el Publizistad (Schriftführer, Chronist), Sandschek el Scherif (Fähnrich und Mundschenk), Efendi al Cassa (Kassier), Schaich al Bambini (Böögglivater) und 3. Die Muselmanen (Arbeitstiere). Zudem gibt es noch den Hofsänger.

Gründungsmitglieder waren: Fred Heer (Sultan Alfred I), Hans Peter (Emir), Werni Pfenninger (Omar), Fritz Frauchiger (Sandscheck), Karl Müller (Effendi), Herbert Nägeli (erster Böögglivater), weiter Edi Hitz, Walter Hunziker, Karl Berger, Heinz Lorenz, René Sunier, Kurt Weder, Hans Schwarz (Gutta), Georg Matthis und Sepp Gerstl.

Am Samstag 12. Februar 1972 fand der erste Sultanats-Ball im Gasthof Frohberg zu Adetswil statt und dies mit einem honorigen Programm, inbegriffen im Eintrittspreis von Fr. 15.50 (Paare 25.–) waren: Eintrittsplakette, Ehrenprogramm, Empfangssekt, Mitternachtscocktail, Gulaschsuppe in tiefer Nacht, kneifen der Bööggen, ginggen und beissen auf der Tanzfläche, mitjurieren bei den Attraktionen und eine Glücksversteigerung.

Wir mögen aus heutiger Sicht etwas belustigt auf die Aktivitäten dieses Anlasses schauen. Da gab es eine ellenlange Rede des Sultans, Begrüssung aller möglichen und unmöglichen Gäste wie Kamele, Muselmanen, Haremsdamen, Eunuchen und den Pascha. Dazwischen immer wieder den Trinksitten geschuldetes Biertrinken und natürlich gesangliche Darbietungen (Hilaria-Lied: Allah ist gross oder Lebt denn meine Male noch)! Kaum zu glauben, heutzutage, dass so etwas ohne Tumult und Zwischenrufe durchgeführt werden könnte – an einem Maskenball!

Hilarier trinkt aus dem Clubbecher

Am Sonntag darauf fand der erste Kindermaskenball statt. Besammlung der Kinder war im Gasthof Frohberg, Adetswil, dann folgte ein Marsch zum Gasthof Ochsen. Daselbst Abgabe eines Glases Süssmost und eines Würstchens mit Brot zu Lasten der Sultanatskasse. Anschliessend gab es Tanz und Spiele für die Kinder.

Am 21. Februar pilgerten dann die Muselmanen erstmals zum Bierkommers der Hilaria Rüti in den Gasthof Löwen Rüti.

Am 11.11.1972 (11:11 Uhr) wurde die erste offizielle Generalversammlung abgehalten. Anlässlich dieses ehrwürdigen Anlasses spendete der 1. Sultan Alfred I. Heer dem Sultanat einen sog. Seidel, das ist ein reich verzierter «Bierkrug» mit einem Inhalt von 3 Litern, den zu Stemmen es erstmals gilt, geschweige dann aus ihm zu trinken, es ist ein wahres Kunststück. Dieser Seidel kam jeweils an der Generalversammlung am 11.11. zum Einsatz. Speziell die Trinkversuche der an diesem Tag neu aufgenommenen Mitgliedern führten bei den altgedienten Muselmanen stets zu grosser Heiterkeit.

Am Abend desselben Tages folgte der erste Martini-Fez, für einen Eintritt von Fr. 20.—gab es Empfangssekt, Riz Colonial aus der Kokosschale, eine Gulaschsuppe in tiefer Nacht mit einem Bier vom Fass. Die Eintrittskarten gingen weg wie frische Weggli, was der Kasse gut tat, zudem konnte die BAR im ersten Stock auf Rechnung des Sultanats betrieben werden. Für alle Männer, inkl. Muselmanen galt an diesem Abend ein Garderobezwang und zwar Handwerks- oder Überkleid.

In vielen Gemeinden rundum gab es schon grosse Fasnachtsumzüge, die grössten in Uster (alle 2 Jahre) und Robehuse. So nahm das Sultanat am 3. März 1974 zum ersten mal am Fasnachtsumzug «Robehuse» teil.

An der Sitzung vom 30.08.1974 wurde erstmals in Erwägung gezogen, den Schluss des Kinderumzuges mit der Prämierung in der Turnhalle durchzuführen und im Anschluss daran einen «Volksmaskenball» zu veranstalten. Dabei war die Hoffnung, dass auch andere Vereine mitmachen würden. Man suchte dann das Gespräch mit diesen, die Begeisterung schien sich jedoch in Grenzen gehalten zu haben – so blieb alles beim Alten.

Am 5. Oktober 1974 wurde das erste mal ein Raclett-Stand am Herbstfest in Donaueschingen betrieben, einige Getreue um den Sultan besuchten dieses Fest wohl schon Jahre zuvor bis dann 1974 das Sultanat vom Donaueschinger Bürgermeister angefragt wurde, ob sie nicht eine typische «Schweizer-Beiz» betreiben könnten am Herbstfest, was dann auch geschah. Es war die Geburt des legendären Raclette-Standes des Sultanats. Durch das Herbstfest wurde man auch bekannt mit der Fasnachtsgesellschaft «Einhorn» aus Saverne im Elsass und natürlich pilgerten die Bäretswiler Muselmanen auch ins Elsass zum Fasnachtsumzug, logischerweise nicht als Zuschauer sondern mit einer grossen Umzugsnummer.

Fasnachtsschnitzelbank

Die freundschaftlichen Bande zur Narrenzunft Frohsinn, Donaueschingen, führte dazu, dass am Martiniball 1974 eine Delegation dieser Zunft mit ihrer Hofmusik Aufen am Martinifez teilnahm und gewaltig für Stimmung sorgte. An diesem Anlass überreichte der Zunftmeister dem Sultanat einen «Hanseli», eine handgeschnitzte Miniatur der geschichtsträchtigen Zunftmaske der Narrenzunft Frohsinn.

Für Samstag 8. Februar 1975 wurde erstmals ein Maskenball mit Schnitzelbank angesagt, wobei die Schnitzelbank auch in diversen Restaurants vorgetragen wurde. An dieser Fasnacht wurde auch das erste mal eine Fasnachtsplakette verkauft, dies für die Deckung der Unkosten für den Kinderumzug.

Nach der Fasnacht 1976 wurde erstmals über eine standardisierte Maske (bzw. ein stets gleiches Sujet) für den Kinderumzug nachgedacht, anstatt des alljährlich wechselnden Mottos, denn die Fertigung der Masken und Kostüme nahm jedes Jahr sehr viel Zeit in Anspruch. Es sollte etwas darstellen das mit Bäretswil verbunden wird. Dazu der damalige Zeitungsbericht: Inskünftig eine Standardmaske. Finanziert wird der beachtliche Aufwand (Kinderumzug) mit dem Verkauf einer Fasnachts-Plakette und mit dem Reinerlös der Frohberg-Bar (Maskenball). Es muss lobend erwähnt werden, dass die ca. 16 Mann des Sultanats mit der mustergültigen Organisation dieses Umzugs und der Bearbeitung des Sujets ein zünftiges Mass Arbeit auf sich genommen haben. Eine Zukunftsaufgabe, die sich das Sultanat stellt, ist die Schaffung einer «Standardmaske» für die aktiven Mitglieder. Allerdings ist dazu zu bemerken, dass die umfangreichen Näharbeiten für die Kostüme jeweils von den Partnerinnen der Muselmanen bewerkstelligt wurden. Da waren die Frauen immer sehr gefragt, sie übernahmen nämlich alle Jahre Helferjobs bei der Durchführung der Fasnacht. Das Standardsujet wurde aber nie eingeführt, auch weiterhin bemühte man sich um ein jährlich wechselndes Motto, meist einem aktuellen Thema gewidmet.

Plakat zum Kinderumzug 1978

Am 11.11.1978 gibt Sultan Alfred I. (Heer) äusserst bewegt seinen Rücktritt bekannt und grüsst scheidend mit den Worten: «Sind lieb mitenand, sind nett mitenand!» um schlussendlich mit folgenden Worten zu enden: «Alles was hinter dir ist, soll nicht einen Splitter eines Mandelkerns aufwerfen!» Dies war der letzte Akt von Unstimmigkeiten im Hofrat. Danach war das Sultanat für ein Jahr führungslos, gemäss Beschluss übernahm die Führung der Hofrat, das hiess dann hauptsächlich der damalige Emir (Max Staub) und der damalige Omar (Andi Filus). An der Generalversammlung vom 11.11.1979 wird nach einem führungslosen Jahr Ernst Trachsler einstimmig zum Sultan gewählt.

Nun etwas zu den fasnächtlichen Abläufen: Das Sultanat versammelte sich jeweils am 11.11. im Restaurant Frohberg zur alljährlichen Generalversammlung. Neben den üblichen Geschäften wurden auch alte, verdiente Mitglieder ehrenvoll entlassen und neue Mitglieder aufgenommen. Nach einem stärkenden Mahl studierte man im Anschluss gemeinsam in der nahen Umgebung Wirtschaftskunde, meist sehr erfolgreich.

Vom 11.11. bis zur Fasnacht gab es dann viel Arbeit zu erledigen, die Dekorationen (Wandverkleidungen) für den Maskenball im Frohberg mussten gemalt werden, dies fand meist bei Ernst Trachsler in der Garage unter kundiger Führung des damaligen Lehrers Andi Filus statt. Auch das Fahrzeug für das jährliche Motto (sowie für den Fasnachtsumzug Robehuse) wurde hier präpariert, der Kinderumzugswagen im Schopf musste neu bemalt und bereitgestellt werden. Dazu kamen die Umzugskostüme, da waren natürlich die Frauen gefragt, die fleissig nähten und modellierten. Je nach Motto war das zuweilen sehr aufwendig, man denke nur zurück an die vielen verschiedenen Mottos die jährlich neu und aktuell sein sollten. So erinnern wir uns an SBB, UFO, Radio 25, die Hühner, Tierwelt, Freizeitpark Bäretswil und vieles mehr. Aber auch die anderen beiden Bäretswiler Fasnachtsgruppen standen dem Sultanat jeweils in nichts nach, so die Clowngruppe Schürli im Jahre 1995 mit dem Motto: «Die Wust war ein Frust – aber die Mehrwertsteuer ist ein Ungeheuer» oder die Sumpf-Bacille mit ihren aufwendigen Wagen und Kostümen. Bei den Schürli-Clowns war die Mutter von Albert Meier (Margrit) eine unermüdliche Kraft beim Entwerfen und Nähen von Kostümen, sie war im fasnächtlichen Umfeld von Bäretswil nicht wegzudenken.

Wie bereits erwähnt wurde für die Finanzierung des Kinderumzuges am Samstagabend jeweils ein Hilaria-Maskenball im Gasthof Frohberg durchgeführt. Da dieser als sehr gut geführtes Restaurant bekannt war und Gäste von nah und fern bewirtete, war auch der dort stattfindenden Maskenball bald in aller Munde und stellte sich schnell als grosser Erfolg ein, auch dank dem sehr freundschaftlichen Verhältnis zwischen Sultanat und dem damaligen Wirtepaar Dora und Fritz Frauchiger, die auch Besitzer des altehrwürdigen Gasthofes waren.

Aber auch der Kinderumzug war stets ein voller Erfolg, nicht zuletzt in Folge der Teilnahme der beiden weiteren Bäretswiler Fasnachtsgruppen Sumpf-Bacille (Erwin Schaufelberger) und Clowngruppe Schürli (Albert Meier). Am Schluss des Umzuges gab es dann für jedes Bööggli ein Würstchen mit Brot und ein Getränk. Finanziert wurde das aus der Sultanatskasse sowie von grosszügigen Sponsoren. Dem Sultanat war der Kinderumzug stets wichtig und so hatten sie in ihrer Reihe auch einen sog. Bööglivatter der sich speziell um den Bööggliwagen und die kleinen FasnächtlerInnen (*gab es damals noch nicht) kümmerte und dafür sorgte, dass sie auf dem Wagen mitfahren konnten, wenn ihre Beinchen den Dienst versagten.

Am Umzug sah man zu aktuellen Themen witzige Fasnachtswagen mit Fussvolk die gerne die Bundes- und Dorfpolitik auf die Schippe nahmen. Der Umzug, garniert mit Guggen von der Umgebung war immer ein schöner Anlass und beliebt bei der Bevölkerung, das zeigten auch die vielen Zuschauer die jeweils die Umzugsroute säumten und stets kräftig Beifall klatschten.

An der Fasnacht 1980 wurde vom Sultanat erstmals wieder eine Bäretswiler Fasnachtszeitung verkauft, die «Bäri-Schnorre», da konnte die Dorfpolitik und andere vermeintlich nicht bekannten Geschehnisse (Dorfklatsch) auf möglichst humorvolle Weise auf die Schippe genommen werden, was leider nicht immer gelang. Da jedermann anonym Tipps geben konnte, wurde das zuweilen missbraucht, denn meist kannten nicht einmal die Zeitungsmacher selber die Zuträger, der Klatsch wurde einfach tel und gel übernommen und Verse daraus gemacht, was zuweilen ein Fehler war, aber ausbaden mussten es dann der Sultan oder die Schreiberlinge

Sultan von Bäretswil

Die Bäretswiler Fasnachtszeitung hat eine Tradition, schon im Jahre 1949 gab es eine solche mit dem Namen «Bäre-Dräck», diese wurde dann im Jahre 1951 auf Grund diverser Reklamationen (Name) in «Böölimaa» umgetauft. Im Jahre 1961 gab es in Adetswil eine Fasnachtsgesellschaft «Gambrinus» (Fasnachtszeitung: «Brännessle»). Später waren es die «Bäretswiler Glossen» und 1968 hiess die Zeitung «Bäretswiler Narrenpost» unter dem Motto: Unpolitisches Organ für die Bäretswiler Dorfspatzen, herausgegeben von Adolf Gross zum Nussbaum (wohl Rest. Linde gemeint).

Noch in vielen umliegenden Orten fand der Maskenball im Saal eines Restaurants statt. In Dürnten in der Sonne und in Bubikon im legendären Leue. In den 80iger-Jahren drängten dann aber rundum die Fasnachtsgesellschaften in Turn- und andere Hallen für ihre Anlässe um dem immer grösser werdenden Ansturm der Gäste gerecht zu werden. Was für andere gilt, gilt nicht unbedingt für Bäretswil. Trotzdem schien der Boden für ein solches Vorhaben gut bereitet, insbesondere da Bäretswil drei aktive Fasnachtsgruppen hatte, Sultanat, Clowngruppe Schürli und Sumpf-Bacille, alle drei auch immer am Robehuse-Umzug dabei und bei der Preisverleihung meist in den vorderen Rängen, wenn nicht sogar Sieger.

Auf ein Gesuch des Sultanats lehnt die Schulpflege mit Brief vom 9.11.1981 die Benutzung der Turnhalle für den Maskenball ab, Begründung: Schulferien und deshalb beide «Schulabwarte» in den Ferien! Hingegen gab es die Bewilligung für die Bööggliprämierung nach dem Kinderumzug am Sonntag.

Immer wieder trat die Clowngruppe an das Sultanat heran mit der Frage, ob man nicht besser einen gemeinsamen Maskenball in der Turnhalle abhalten sollte, mehr Platz gleich mehr Gäste gleich mehr Gewinn für den Kinderumzug. Sträubte sich das Sultanat anfänglich noch ihren überaus erfolgreichen Maskenball aufzugeben, willigte man schlussendlich ein – nicht zuletzt auch deshalb, um so allen Bäretswilern die Möglichkeit zu geben am Maskenball teilzunehmen, gab es doch da und dort Kritik am Frohberg-Ball im Sinne von, etwas zu elitär, etwas zu gehobener Anspruch.

Berittene Hilarier

Im November 1981 wurde die Fasnachts-Vereinigung-Bäretswil (FaVeBä) gegründet und zwar vom Hilaria Sultanat, der Clowngruppe Schürli sowie den Sumpf-Bacille, die aber nach Unstimmigkeiten bereits im Oktober 1982 wieder den Austritt aus dieser Vereinigung gaben. Geblieben sind Sultanat und Clowngruppe, die aber ausser den Fasnachtsanlässen autonom blieben. Der Zusammenschluss zur Fasnachts-Vereinigung Bäretswil (FaVeBä oder auch nur FVB genannt) hatte auch den Zweck, die Bewilligung der Gemeinde für die Turnhallenbenützung zu bekommen, da dies anscheinend nur den Vereinen möglich war.

Diese FVB hatte aber auch zur Folge, dass das Sultanat als alleinige Männergesellschaft (Bruderschaft) sich plötzlich in einem Verein fand, der auch die Mitgliedschaft von Frauen kannte – dies führte dann mit der HILARIA Rüti zu Unstimmigkeiten. Diese Situation trübte für eine kurze Zeit die Verbindung mit der HILARIA Rüti, kam aber im Jahre 1984 wieder ins Lot, auch dank der Fürsprache des noch im Kronrat Rüti sitzenden ehemaligen Sultans von Bäretswil, Fred Heer.

Erstmals wurde der Maskenball im Jahre 1983 durch die Fasnachts Vereinigung Bäretswil in der Turnhalle Dorf durchgeführt. Diese Fasnachtsvereinigung hielt aber nicht lange, zu unterschiedlich waren die beiden «Gruppen» und das Sultanat übernahm wieder wie früher die Durchführung von Maskenball und Kinderumzug und bekam jetzt auch stets die Bewilligung für die Turnhallenbenutzung von der Gemeinde (Schulpflege).

Alfred Heer in Hilaria Montur

1986 landete das Sultanat mit dem Motto «Tierwelt» einen Hit, aber auch die Sumpf-Bacille trumpften auf mit ihrer «Sumpfigs top Show». Nach wie vor nahmen die beiden Bäretswiler Fasnachtsgruppen Sumpf-Bacille und Schüüri-Glöön mit grossem Enthusiasmus am Kinderumzug teil, d.h. trotz Auflösung der FaVeBä blieben die freundschaftlichen Bande bestehen und man unterstützte sich gegenseitig.

Auch der Kontakt vom Sultanat zur Narrenzunft Frohsinn in Donaueschingen blieb bestehen und so ergab es sich, dass im Sommer 1993 in Bäretswil auf Einladung des Sultanats ein «Wunschkonzert» des Musikvereins Aufen (Donaueschingen) stattfand. Der Erlös von Fr. 1000.—wurde, wie zuvor angekündigt, dem Verkehrsverein Bäretswil gespendet.

Aber die Zeiten für den grossen Turnhalle-Maskenball wurden nicht besser. Im Jahre 1994 schliessen die Fasnachtsaktivitäten des Sultanats mit einem Defizit von Fr. 4’000.—ab. Das betraf aber nicht den Kinderumzug, sondern den Maskenball am Samstagabend der immer weniger besucht wurde. Es war auch dem Zeitgeist geschuldet, so kamen die Besucher immer später am Abend, so dass um 9 Uhr abends, wenn der Frohberg jeweils schon brechend voll war, kaum die Hälfte der Turnhalle besetzt war – oder um es mit dem Ausspruch eines Mitglieds der «Guggemusig Robehuse» zu sagen: «Toteball». Die Beteiligung am Fasnachtsumzug Robehuse war hingegen stets ein Höhepunkt für die Muselmanen und meist auch ein kleiner finanzieller Erfolg, im Jahre 1994 erreichte das Sultanat mit ihrem Sujet «Freizeit-Center-Bäretswil» den 2. Platz, Prämie 820 Franken.

Hilaria Sultanat, Liste der Teilnehmer am Jubiläumsapéro

An der GV vom 11.11.1995 wird beschlossen die Fasnacht 1996 an einem Tag durchzuführen, Umzug und Maskenball am Samstag, beides mit der Benützung der Turnhalle, um Kosten zu sparen. Der Kinderumzug wird am Samstag 17.02.1996 abgehalten und abends der grosse Jubiläums-Maskenball in der Turnhalle Dorf unter dem Motto: «De Puur im Joor 2000». Zugleich feierte das Sultanat 1996 das 25 jährige Jubiläum. Dabei wurde Ernst Trachsler der Titel Ehren-Sultan verliehen und Andi Filus hielt eine denkwürdige Rede in der er in humoristischer Weise die Geschichte des Sultanats behandelte (siehe PDF: 25 Jahre Sultanat). Natürlich wurde das Vierteljahrhundert-Jubiläum auch im Kreise des Sultanats würdig gefeiert und zwar ging es am 13. Oktober per Pferdewagen in die Wirtschaft Sunnehof. Neben Speis und Trank fand auch ein humoristischer Wettbewerb statt.

Im selben Jahr übernahm Werni Bolt das verantwortungsvolle Amt des Sultans und organisierte gleich eine weitere Pilgerreise, welche die Bäretswiler Muselmanen nach Österreich ins Burgenland führte. Auch früher gab es schon Studienreisen, so pilgerten die Muselmanen im Jahre 1976 unter kundiger Führung von Sultan Alfred I. in arabische Gefilde, nach Marrakech. Im Jahre 1982 führte die Pilgerreise unter Sultan Ernst I. in das orientalische Istanbul wo Mann sich in Bädern und orientalischen Kaschemen vergnügt hatte.

Spätere Sultane waren dann noch Max Staub und Andreas Mathis, beide aber nur für kurze Zeit, danach übernahm Ernst Trachsler dieses Amt wieder und hielt es inne bis ins Jahr 2000.

Die Fasnacht 1997 bleibt in denkwürdiger Erinnerung. Voll Enthusiasmus starteten die Aktivitäten am Samstag 8. Februar unter dem Motto: «Bäretswiler SAUberkeiten.» Wie immer gestaltete sich die Fastnachtszeitung «Bäri-Schnorre» angriffig, aber nicht ohne dem Humor die gebührende Achtung zu zollen, ganz getreu dem Motto der Fastnachtszeitung von 1951 «Jede rächti Schwyzermaa hätt echli Grütz im Chopf / und wär e kei Humor vertreit isch en truurige Tropf!» Leider kam dieser Humor aber nicht überall gut an und so zogen dunkle Rassismus-Wolken auf und jagten die Muselmanen vom Hilaria-Sultanat vor sich her bis sie sich in der endlosen dürren Wüste zerstreuten und nur wenige den Weg zurück in ihre Oase fanden. Mit den wenig übrig gebliebenen Muselmanen rund um ihren Sultan Ernst I. Trachsler wurde es immer schwieriger die aufwendigen Fasnachtsanlässe zu organisieren. Auch ein Aufruf in der Bäretswiler-Post brachte weder neue Mitglieder noch Helfer und so endete die vom Sultanat organisierte Fasnacht im Jahre 2000 wegen eines etwas verunglückten, nicht ganz SAUberen Verses in der Fasnachtszeitung 1997 und dem darauf folgenden «Personalmangel».

Wieder auferweckt wurde die Bäretswiler Fasnacht einige Jahre später vom Turnverein. Im Jahre 2020 übernahm COVID-19 das Zepter und vermieste den Bäretswilern die Fasnacht vollständig.

Die Hilarianer von Bäretswil treffen sich aber immer noch jedes Jahr am 11.11. zum geselligen Beisammensein und pilgern auch noch jährlich zur Fasnachtszeit nach Rüti zum traditionellen Bierkommers der Hilaria.

(Dieser Bericht bezieht sich ausschliesslich auf die Chronik des Sultanats Bäretswil, die ganze Fasnachtsgeschichte und die Chronik anderer Gruppen ist hier nicht enthalten).

Im November 2021/Albert Egli

weiter >