Hirzel Paul

Pfarrer Paul Hirzel-Heller (1910-1977)

Portrait von Pfarrer Paul Hirzel-Heller

Paul Hirzel-Heller, Pfarrer in Bäretswil von 1939-1959, später in Opfikon ZH, ist im Davoser Pfarrhaus aufgewachsen. Schon sein Vater, Grossvater und Urgrossvater waren Seelsorger der Zürcher Landeskirche. Der aufrichtig fromme Kirchenpräsident Albert Hubmann ab dem Allenberg holt den jungen Pfarrer in schwerer Zeit (1939) als Nachfolger von Pfarrer Wolf nach Bäretswil. Man kennt Paul Hirzel schon ein wenig, denn seit 1936 war er gleichzeitig Pfarrhelfer in Bäretswil, Dürnten und Hinwil. Als jungem Pfarrer fehlte ihm in Bäretswil allerdings eine zu ihm passende Frau. Das grosse Pfarramt und die weitläufige Gemeinde verschlangen jede Woche 60 – 80 Stunden Arbeit. Wie sollte er da nur Zeit zur Brautschau finden? Zwei älteren Damen, die ihm im Pfarrhaus den Haushalt machten, entschlossen sich, den Herrgott um eine passende Frau für den jungen Seelsorger zu bitten. Sie erbaten von Gott das Zeichen – und weihten den jungen Theologen keck in das Geheimnis ein -, die erste junge Frau, welche fortan über die Schwelle des Pfarrhauses trete, sei gewiss die passende neue Pfarrfrau. So kam es, dass Frl. Hedi Heller (1923-2021) aus Adetswil, die Hirzel nur wenige Jahre zuvor konfirmiert hatte, Hirzels Frau wurde. Und die beiden passten in der Tat zueinander! Paul Hirzel war weder ein überragender Prediger noch ein besonders kompetenter Katechet. Aber er war ein überzeugender, glaubwürdiger Mensch und Pastor. Viele Konfirmanden liebten ihn, auch wenn sie in seinen Stunden mitunter Schabernack trieben. Aus seiner Familientradition besass Hirzel eine gute Liberalität im Umgang mit der Kirchenpflege, den Mitarbeitenden und der Gemeinde; von der Bäretswiler Kirch-Gemeinde – insbesondere von den Präsidenten Hubmann und Dachdecker Jakob Schelldorfer – lernte er, der Bibel im Sinne eines gesunden Pietismus zu vertrauen. Als rund um die Schweiz und teils im eigenen Lande wüste säkulare Mächte und Ideologien tobten, bot er gerne Hand zum Wunsch der Kirchenpflege, die Gemeinde von innen her christlich zu erneuern. Prägende Männerabende mit Ernst Aebi vom Bibellesebund, Pfr. Dr. Bernoulli vom Diakonenhaus Greifensee oder mit dem Bäretswiler Dr. h.c. Arnold Muggli, dem Baumeister der Rationierung, wurden im «Gemeindestübli», das damals nur eine ausrangierte Militärbaracke war, sehr zahlreich besucht. Die ganzen Verhältnisse in Bäretswil waren damals noch einfach, ärmlich und bescheiden. Aufbauende Evangelisationen in den 1940/50er Jahren und eine engagierte Junge Kirche sorgten aber für einen christlichen Geist in der Kirchgemeinde, wie er nicht überall anzutreffen war. Extrem frommen Schwärmern und Experimenten gegenüber blieb Hirzel kritisch. Bei seinem Wegzug 1959 nach Opfikon war der allergrösste Teil der 2’500 Bäretswiler noch reformiert. Die Bautätigkeit am Aemet stand noch in den Kinderschuhen.

16.11.2020, Armin Sierszyn

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