Männerchor, Waser und Nägeli

Gründungsprotokoll des Männerchors Bäretswil aus dem Jahre 1835 (Ausschnitt),
von Pfarrer Waser eigenhändig geschrieben

Einleitung

Unterm 1ten Brachmonat 1835 setzten die Schullehrer Bossart von Bäretschweil,
Meyer von Adetschweil, Kägi von Wappenschweil, Bachmann von Betschweil, Stutz
von der Tanne, Schulverweser Bossart im Hof, – Egli von Fehrenwaltsberg – und an
ihrer Spitze – Waser, Dekan – folgendes Einladungsschreiben in Circu-
lation:

,, Unterzeichnete laden anmit sämtliche Gesangfreunde aus hiesiger Gemeinde,
,, welche Lust haben, einen Männer-Chor bilden zu helfen, freundschaft-
,, lich ein, ihre Nahmen diesem Circular beizusetzen. – Sobald eine hin-
,, reichende Anzahl Teilnehmer sich zeigt, werden Statuten entworfen und
,, alle, für das Gedeyen der Anstalt erforderliche Einrichtungen sogleich ge-
,, troffen werden.

Plakat zum Kränzchen der Chöre Bäretswil anlässlich des 150. Todestages des Sängervaters Hans Georg Nägeli
Chor-Kränzchen 1899 im Bären (Plakat mit Sängervater Nägeli)

aus: Weltliche Chöre im Oberland[1], zum 150. Todestag von Hans Georg Nägeli.

Dem Zürcher Oberland spielt bei der Entwicklung des Chorgesangs eine grosse Rolle, vorerst mit Pfarrer Johannes Schmidlin (1722-1772), der als Wegbereiter des Volksgesangs in der Schweiz gilt. Sein Nachfolger im Pfarramt von Wetzikon, Hans Jakob Nägeli führte das Werk fort und insbesondere dessen vierter Sohn Hans Georg Nägeli (1773-1836) wurde als Musikverleger (ab 1807 Musik Hug, seit 2017 Musikpunkt AG), Komponist(„Freut euch des Lebens“) und Musikpädagoge international bekannt[2].
Direkt aus dieser Oberländer Musiktradition entstand dank einer Stiftung von Weber 1958 die Jugendmusikschule Zürcher Oberland (JMSZO)[3].

1817, damals in Zürich und in Kontakt mit Pestalozzi, schrieb Nägeli die «Gesang-Bildungslehre für den Männerchor nach Pestalozzischen Grandsätzen», wo er für seine vierstimmigen Gesänge auf starke Besetzung (mit 400 Sängern!) beim Männerchor pocht.

1835 macht in Bäretswil Pfarrer Waser den Aufruf zur Bildung eines Männerchors, wobei er dazu gleich auch seine Lehrer vom Kirchdorf und den 6 Aussenwachten verpflichtet. Der Zweck ist denn auch die «Beförderung des religiösen Gesanges» und des «Edlen, Schönen und Guten». «Jedes Mitglied ist statutenmässig verpflichtet, sowohl in als ausser der Gesellschaft durch ein anständiges, gesittetes Benehmen dem gesamten Vereine Ehre und sich selbst des ehrenvollen Namens eines gebildeten Menschen würdig zu machen.» 84 Sänger meldeten sich für diesen Verein.

1845 organisieren die Männerchöre Bäretswil und Adetswil gemeinsam das Bezirksgesangfest in der Kirche Bäretswil.[4]

Männerchor 2010

Männerchor 2010 mit Dame
hinten, vlnr: Leumann Walter (Kassier), Grob Bruno (Vice Präsident), Schnorf Othmar (Fähnrich), Straub Wolfgang (Protokoll), Brütsch Hermann, Burger Hermann.

vorne, vlnr: Müller Ruedi (Präsident), Bolt Werner, Weber Gerhard, Balsiger Otto, Fenner Adolf, Stucky Barbara (Dirigentin), Wyss Armin, Gassmann Ernst

2015 wird der Männerchor mit 16 aktiven Mitgliedern aufgelöst.

Literatur

1 - A. Sierszyn, J. Albrecht: Bäretswil. Ein Heimatbuch. Hrsg. Pol. Gem. Bäretswil 2015, Inhaltsverz. S.235f, 258ff

Einzelnachweise

[1]E.Wildermuth: Heimatspiegel, Monatsbeilage des ZO. Dez.1986, Weltliche Chöre im Oberland
[2]Zürcher Oberländer. 2. Juni 2019, So entstand die estnische Singnation in Wetzikon
[3]E.Wildermuth: Heimatspiegel, Monatsbeilage des ZO. Mai 1990, Musikunterricht im ZO. Vier Franken pro Lektion
[4]Armin Sierszyn: Festschrift 125 Jahre Singkreis Bäretswil-Bauma. singkreis-bb.ch 2015, Festschrift

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