Spörri-Dolder Caspar

Portrait von Caspar Spörri-Dolder mit seiner Frau Katharina aus der Familienchronik Spörri.

Caspar Spörri-Dolder (1817-1871), geboren im Gasthaus zur Blume in Fischenthal, musste gegen seinen Willen den Metzgerberuf erlernen, da es in der Gegend keinen Metzger gab. Bei seiner Stelle in Meilen lernte er Katharina Dolder kennen, die er dann 1836 heiratete. Sie wohnten anfangs bei seinen Eltern in Fischenthal, wo nebst Wirtschaft, Metzg und Landwirtschaft auch noch eine grosse Buntferggerei betrieben wurde.

1841 konnten sie Wirtschaft und Metzgerei Ochsen in Bäretswil pachten. Das Geld reichte knapp, und als 1845 die Kartoffelkrankheit kam, überlegten sie sich die Auswanderung nach Amerika. Er entschloss sich aber, zusätzlich eine Buntferggerei zu übernehmen. Stets offen für Neuerungen in der Industrie zog er 1856 nach Diemberg bei Wald und betrieb mit H. Marti und seinem Schwager Dr. Hürlimann eine kleine Weberei.

Dank der Unterstützung des schon damals berühmten Kaspar Honegger (siehe unten) aus Rüti konnte er beim Aabach am Dorfrand von Bäretswil Land und Wasser kaufen und 1858 die mechanische Weberei eröffnen. „Die Mutter war an der Stabmaschine tätig, der Sohn Kaspar lernte in Rüti Webermeister, später die Buchhaltung, eine Schwester zettelte und eine Tante besorgte den Haushalt.“
1863 kaufte er das ehemalige Arzthaus, das 1836 erbaut worden war – die Villa im Garten (und seit 1964 Gemeindehaus) .

Als Politiker sah sich Spörri nie, dazu fehlte ihm die Zeit. Dafür war ein ein begnadeter Sänger. „Als in den 1860er Jahren das erste Bezirksgesangfest stattfand, dirigierte Spörri-Dolder den Männerchor Bäretswil so meisterhaft, dass er nach Schluss des Gesanges unter frenetischem Jubel herumgetragen wurde.“

Im November 1871 wollte er mit seinem Knecht und Wagen etwas Weniges nach Wetzikon bringen. Das Pferd brannte durch, Spörri wurde auf die hart gefrorene Strasse geworfen. Wenige Tage später erlag er einer Lungenentzündung.

„Eine Klage, ein Jammer durchlief die ganze Gemeinde Bäretswil. Traurig standen die Männer beisammen und hielten Ratschlag, fragend: Wie wird es werden, wer wird weitermachen?
Die ersten, die zum Kondolieren ins Haus kamen, waren Guyer von Neutal und sein Sohn, der spätere, als Eisenbahnkönig berühmt gewordene Guyer-Zeller. Grossartig war die Teilnahme an dem schweren Leide, das die so hochgeachtete Familie Spörri betroffen hatte. Noch nie hatte Bäretswil zuvor ein solches Leichenbegängnis gesehen. Nicht alle Teilnehmer fanden in der Kirche Platz und doch ist diese die grösste im ganzen Oberland, fasst sie doch 1600 Personen. Schlitten und Pferde wurden noch in dem eine Viertelstunde entfernten Adetswil eingestellt.“

Die Fabrik wurde in 3. Generation von C.-E. Spörri-Schätti geführt.


Portrait von Kaspar Honegger (1804–1883) Webmaschinen Joweid Rüti.

Anmerkung:
Kaspar Honegger (1804–1883) produzierte zuerst in Siebnen/SZ und seit dem Sonderbundskrieg 1847 in der Joweid in Rüti sehr erfolgreich Textilmaschinen. Die Maschinenfabrik Rüti begann 1943 zu ihrem 100-Jahr-Jubiläum Webmaschinen auf dem Industriegelände Joweid zu sammeln. Ab 1999 musste der Betrieb in Rüti etappenweise Teile schliessen. Die Sammlung ging 2008 an den Kanton über und wird nun im Industrieensemble Neuthal, das seit 1978 ebenfalls dem Kanton gehört, ausgestellt und vom Verein NIK (Neuthal Textil- und Industriekultur) betreut. (siehe Ende Joweid, Heimatspiegel Jan. 1985)

Literatur

1 - Gustav Strickler: Chronik der Familie Spörri. Orell-Füssli, Zürich 1915, Digital-Auszug S.102

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