Wappenswiler Geschichte

Wappenswil war im 19. Jahrhundert eine grosse Schulgemeinde mit mehr als 500 Seelen und 150 Schulkindern. Heute besteht die Aussenwacht, die zum Schulhaus Maiwinkel gehört, aus 18 Weilern und Höfen, nämlich: Oberwappenswil, Unterwappenswil, Im Chlaus, Holenstein, Platten, Schwarzweid, Aesch, Holenweidli, Schmärschür, Maiwinkel, Obere Stockrüti, Untere Stockrüti, Stöck, Wässeri, Eichschür, Tisenwaltsberg (Oberhuus, Underhuus, Ussers Huus).

Karte der Aussenwacht Wappenswil
Wappenswil

Im Einzugsgebiet von Wappenswil liegt der Ursprung des Aabachs. Am Fuss des Allmen, werden die grössten Schnee- und Regenmengen der Gemeinde gemessen. In Wappenswil kaufte Fabrikherr Caspar Spörri um 1865/70 alle verfügbaren Quellen und leitete sie in den Stöckweiher, das Energiereservoir für die Turbine seiner Fabrik. Heute gehört der Weiher dem Kanton Zürich.

Der ganze Umkreis von Wappenswil ist historisch aus vier Güterkammern und Siedlungseinheiten entstanden.

  1. Ober- und Unterwappenswil
  2. Das Gebiet im Eich: vom Maiwinkel bis zum Eichholz
  3. Der  Waltsberg oder Tisenwaltsberg
  4. Die Chappelen

1.Oberwappenswil und Unterwappenswil

Walpliswile (1379) ist eine Gründung des 8. oder 9. Jahrhunderts von einem Alemannen namens Waltpolt (d. h. der kühn Waltende). Schon 1356 werden in einer Kaufurkunde des Klosters Rüti die Bauersleute Heinrich und Mechthild Wasmann mit ihren Töchtern Ida und Mechthild sowie Ulrich, Berchthold und Anna Wasmann erwähnt. Der vierte Teil des «Wasmann-Hofes» gehört dem Kloster Rüti. Diesen Viertel erwirbt nun Heinrich Graf mit seiner Frau Mechthild und den beiden Söhnen Konrad und Johann «um 20 Pfund Pfennig Zürcher Müntz».

100 Jahre später bewirten die beiden Familien Künzli und Spörri das Wappenswiler Gebiet samt dem Rütigut. Hans Künzli versteuert 1470 als reichster Bäretswiler ein Vermögen von 900 Pfund; das ist nicht wenig, denn ein Guthaben von 100-200 Pfund gilt als Basis, um ein Bauerngut zu führen. Die reichsten Oberländer sitzen damals in Wald, weil sie am Pilgerweg Wirtshäuser und grosse Sennhöfe betreiben. Sie können sich mit ihren 3’000 bis 4’000 Pfund Vermögen sogar mit den hablichen Patriziern der Stadt messen. Im Vergleich zum ganzen Zürichbiet stehen die Bäretswiler Vermögenswerte im 15. Jahrhundert (wie die der Grüninger Vogtei-Leute allgemein) ganz ordentlich da.

Wappenswil, im Hintergrund Schmärschür, Schwarzweid und Platten
Wappenswil, imHG Schmärschür, Schwarzweid und Platten

1541 zählt man in Wappenswil vier Häuser (Bäretswil 28, Adetswil 11, Bettswil 3), 1590 sind es sechs Wohngebäude. In den 1540er Jahren bestimmen Bläsi, Heinrich und Hans Künzli mit Heini, Adrian, Welti und Ueli Spörri die Geschicke in Wappenswil. Der vielgenannte Adrian Künzli wird Bäcker im Kirchdorf, Heinrich Künzli begründet vor 1590 den Hof in der Stöck.  Noch sind die Höfe gross, die Ackerflächen liegen auf dem sonnigen Grossacher gegen den Holenstein und die Platte sowie im Aesch. Die grösseren Höfe engagieren einen Senn für hofeigene Käse- und Anken-Produktion. Daneben wird im Nebenamt seit jeher Flachs oder Hanf gesponnen. Die zunehmende Bevölkerungsdichte im Lauf des 16. Jahrhunderts erhöht auch in Wappenswil den Druck auf landwirtschaftliche Flächen. Schon 1548 erwerben Ulrich und Hans Pfenninger aus dem nahen Girenbad von den Spörri einen Hof, ohne sich in Wappenswil niederzulassen. Um 1600 ist es dann soweit: Ulrich und Hans Pfenninger (aus dem Girenbad) wohnen in Wappenswil. In den Pfarrbüchern wird ab 1640 «Unterwappenswil» als Heimat der Pfenninger aufgeführt. Bis ins 19. Jahrhundert bleibt der Weiler ein Pfenninger-Nest.

Die schwere Pest vom Sommer 1629 wirbelt auch in Wappenswil die Menschen jämmerlich durcheinander. Etwa 80% der Einwohner von Wappenswil erliegen dem Schwarzen Tod. Nachdem sich die Seuche ihre Opfer geholt hat, muss der kaum 16-jährige Klaus Pfenninger aus dem Waltsberg mit seiner Mutter und einem Bruder den Wappenswiler Pfenninger-Hof weiterführen, weil die Familien von Ulrich und Hans Pfenninger ausgelöscht bzw. stark geschädigt wurden. Wappenswil, das nach zwei Generationen guter Konjunktur am Vorabend der Pest wohl 80-90 Seelen zählte ist im Herbst 1629 beinah leer. Gemäss Bevölkerungsverzeichnis von 1634 leben im Ort gerade noch sieben «alte» Wappenswiler neben 14 Neugeborenen und Zugezogenen – ohne Waltsberg, Maiwinkel, Stockrüti und Stöck. Die Namen Pfenninger, Hess, Fischer, Kägi und Isler werden später das neue Wappenswil für die kommenden 300 Jahre prägen. Bereits zwei Generationen nach der Pest (1682) ist mit 82 Personen die Zahl der Einwohner vor dem grossen Sterben fast wieder erreicht.

In Wappenswil beginnt noch vor 1700 die Zeit der Familienflärze. Der Jüngling Klaus Pfenninger zum Beispiel zeugt später mit Adelheid Graf von Bettswil sieben Söhne und fünf Töchter. Aus seinem Familienflarz «Im Klaus» (heute noch Grundmauern bei der Liegenschaft Isler) ziehen bis zum Jahr 2000 etwa 800 Pfenninger in aller Herren Länder, wie Hannie Pfenninger in Holland berechnet hat. Da das Land die vielen jungen Leute nicht mehr zu tragen vermag, reisen verdienstlose Bauernsöhne als Dienstknechte an den See sowie «ins Württembergische, nach Stuttgart oder in die Pfalz». Not und Armut als Folge der Übervölkerung beginnen somit schon 50 Jahre vor der Zeit, da die Zürcher Verlagsindustrie Arbeit und Verdienst am Spinnrad ins Oberland bringt. Um 1775/95 zählt ein Zürcher Regiment in den Niederlanden allein 20 Pfenninger, darunter sechs «Hans-Jakob». Viele von ihnen leben und sterben später in der 200’000-Seelen-Stadt Amsterdam, darunter auch der Vor-Vater unserer Pfenninger-Chronistin in den Niederlanden.

Zuletzt noch ein Wort zur Geschichte der Mühle und der Sägerei, die bereits im Pfrund-Urbar von 1541 in Flurnamen aufscheinen (z. B. das Müliwisli). Da Weiher und Mühle damals von Wappenswil aus betrieben werden, dürfte das ehafte (gesetzlich geschützte) Gewerbe eine Schöpfung des Klosters Rüti sein. Denn das Kloster stellte auch seinen Höfen auf dem Schaufelberg und im nahen Wirzwil eine Mühle zur Verfügung. Die heute industrielle Sägerei, die Ende 2021 nach 140 Betriebsjahren von Familie Egli zu Schindler & Scheibling wechselt, hat also Wurzeln, die ins Mittelalter hinabreichen.

2. Das Gebiet «Im Eich»

Maiwinkel, Oberi Stockrüti und Stöckweiher. im Hintergrund Eichschür, Eichholz und Unteri Stockrüti
Maiwinkel, Oberi Stockrüti und Stöckweiher
imHG Eichschür, Eichholz und Unteri Stockrüti

Das Eich-Gebiet umfasst den ansehnlichen Raum Maiwinkel-Stockrüti-Eichschür-Eichholz. Das Urbar von 1541 weiss noch, dass der Maiwinkel ursprünglich «nicht Wappliswiler Hofs Güeter, sonder von Inhabern darzu erkauft» ist. Es handelt sich also um einen eigenständigen Güterkomplex, den 1541 noch Uly Spörri und teilweise Bläsy Künzli von Wappenswil bewerben. Ab 1543 übernimmt das Gebiet ein Zweig der grossen und starken Familie Graf von Bettswil. Der Maiwinkel, auch «Eywinkel», könnte dem Namen nach zwar auch ein (Eiben-Winkel oder Au-Winkel) sein. Weil der Ort 1588 aber «Eychenwinkel» und der nahe Maistock «Eychenstock» genannt werden, ist diese Namengebung wohl die ursprüngliche. Denn das ganze Gebiet vom Maistock und Maiwinkel bis zur Eichwis (Eichschür) und hinunter zur Eichrüti und zum Eichholz bildet einen Güterkomplex für sich.  Hermann Graf besitzt schon 1588 die Obere Stockrüti und damit auch die Wässeri und die «Eichwisen samt der Schür darin» (1691).  

Dieses ganze Gebiet, das im 1. Jahrtausend noch mit Eichen bestockt war, wird vermutlich im 11. oder 12. Jahrhundert gerodet. Die Namen «In Stöcken» und «Stockrüti» erinnern an den Rodungsvorgang, der in mehreren Schritten vollzogen wurde. Wer hier die Rodung lenkte, ist nicht klar. Teile des Maiwinkel sind 1543 ein Lehen des Schlosses Hegi.

3. Der Waltsberg

Die zweite Bäretswiler Zelg ob der Schönau heisst 1541 «Reinisperger Zelg», weil die Herren vom Reinsberg (östlich Ghöch) im 11. oder 12. Jahrhundert dort den Wald rodeten und für das Dorf Bäretswil eine Ackerzelg bereiteten. Analog ergibt sich, dass der nahe Waltsperg (1541 genannt Walpersperg) durch die Herren von Walpersperg (Fehrenwaltsberg) zu Wiese, Weide und Ackerland urbarisiert wurde. Der identische Name der beiden Orte spricht klar für diesen Vorgang. Im 17. Jahrhundert beginnt man zu unterscheiden zwischen dem «fehren» und dem «neheren» Walpensperg.

Tisenwaltsberg, vorne ehem. Käserei Gerhard
Tisenwaltsberg, vorne ehem. Käserei Gerhard

Der Waltsberg bei Wappenswil wird indes eher spät besiedelt. Aus dem Jahr 1566 ist im Staatsarchiv ein Kaufvertrag erhalten, als Heinrich Pfenninger aus Schaugen-Girenbad 35 Jucharten Acker, 15 Mannwerk Wiese und 3 Jucharten Holz in der Sennweid auf dem Waltsberg erwirbt. Diese Urkunde markiert den Zeitpunkt, da die expansionsfreudigen Pfenninger ihre Hand auf den Waltsberg legen. Noch wohnt vorerst niemand auf dem Waltsberg. Doch wie Ulrich und Hans Pfenninger von Girenbad um 1600 das Land, das ihre Vorfahren in Wappenswil gekauft haben, in Besitz nehmen, so bezieht gleichzeitig auch ihr Verwandter Georg das Land, das sein Grossvater vor 35 Jahren auf dem Waltsberg erworben hat. Georg war zuvor im Girenbad Weibel von Greifenberg. Bald zieht sein jüngerer Bruder Hans von Schaugen-Girenbad mit eigener Familie nach. Auch auf dem Waltsberg dezimiert die Pest die beiden Pionierfamilien. Beide Hausväter und die Mehrheit von Hansens Familie sterben dahin. Auf dem Waltsberg zurück bleiben drei Söhne von Georg, allen voran Matthys. Nach ihm heisst der Ort später Tisenwaltsberg. Ums Jahr 1700 leben auf dem Tisenwaltsberg fünf oder sechs Pfenninger-Familien in vier Häusern im Oberhuus, Underhuus sowie im Usserhuus. Auch hier entstehen im 18. Jahrhundert Familienflärze der Pfenninger auf den genannten Siedlungsplätzen, von denen etliche heute noch stehen. Noch Ende des 19. Jahrhunderts leben auf dem Tisenwaltsberg Nachkommen des legendären Tis Pfenninger.

4.Die Chappelen

Holenstein. rechts oben befindet sich die Täuferhöhle
Holenstein. rechts oben befindet sich die Täuferhöhle

Die Flur Chappelen zwischen dem Holenstein und der Täuferhöhle gehört ursprünglich wohl (wie der nahe Fehrenwald der Klosterfrauen) hinauf zum Fehrenwaltsberg. Auch bei Bettswil und ob dem Rellsten ragten die Besitztümer des grossen Hofs der Walpersperger ursprünglich weit hinunter und wurden erst im 16. Jahrhundert von den Höfen Bettswil und Wirzwil/Rellsten übernommen.  

Die Chappelen-Flur hat ihren Namen von der Kapelle mit Friedhof, welche dort oben bis zur Reformationszeit von einem Pfarrer bedient wurde. Der Heerentobelbach ist ein letzter Hinweis, dass auf der Chappelen ein Pfarrherr residierte. Die Kirche resp. später die Kapelle war einst ein Gotteshaus für Wappenswil, das Frauenkloster im Fehrenwald und wohl auch für die Walpersperger selbst. Auf diese dürfte denn auch die Rodung der Flur und der Bau der Kirche im 12. Jahrhundert zurückgehen. Die Kirche samt Turm und Glocke stand im oberen Teil der Gross-Chappelen in einer noch heute sichtbaren Geländemulde auf einem kleinen Bödeli. Das Pfarrhaus und der Friedhof befanden sich im unteren Teil der Chappelen gegen den Heerentobelbach hin. Meine These: Als um 1220 durch die Hand der Rapperswiler auf Greifenberg Bäretswil eine Kirch-Gemeinde wurde, gingen die Kirchen in Adetswil und Kleinbäretswil ein. Da der Ortsadel von Walpersperg nachweislich in das Gefolge der Rapperswiler eintrat, durfte ihre Kirche ob Wappenswil als Kapelle (bis zur Reformation) weiterbestehen. Die Vielzahl von Kirchen und Kapellen zeigt, wie auch unsere Gemeinde aus verschiedenen kleineren Ortsgemeinschaften hervorgegangen ist, die sich alle um eine eigene Kirche scharten. Auch von Ringwil ist urkundlich bezeugt, dass der Ort schon 837 eine Kirche besass, die bis ins 16. Jahrhundert Bestand hatte.

Auf in die neuere Zeit

Schneepflügen beim Schulhaus Wappenswil
Schneepflügen beim Schulhaus Wappenswil

Im Jahr 1711 wird in Wappenswil eine erste Schule eröffnet. Schulmeister Hans Kägi von Bauma öffnet seine Stube für 40 Schulkinder. Wappenswil ist damit unterwegs zu einer Schulgemeinde. Stärker noch als die einstige Kirche in der Chappelen verbindet die gemeinsame Schule die verstreuten Höfe allmählich zu einem einheitlichen Bewusstsein einer Schulgenossenschaft.

Die einsetzende textile Proto-Industrie im Zug der folgenden Jahrzehnte lässt auch in Wappenswil die Zahl der Ehen und der Kinder rasch wachsen. Die Familien-Flärze sind überladen mit Menschen. Die Bauernhöfe werden geteilt und wieder geteilt. Das relativ grossflächige Wappenswil wird kleinparzelliert und mit Menschen überladen. Das textile Einkommen übertrifft das landwirtschaftliche. Begabte Kinder mit geschickten Händen erwirtschaften am Spinnrad mehr Bares als der Hausvater in Stall und Feld. Der Schutz des Zelglandes fällt dahin. Es folgt die Zeit der Streusiedlung.

Unter- und Oberwappenswil
imHG Schmärschür, (Äsch), Schwarzweid, Platten, Holenstein
Unter- und Oberwappenswil
imHG Schmärschür, (Äsch), Schwarzweid, Platten, Holenstein

1750 baut Hs. Jakob Fischer am Rand des Rieds die Schmärschür, 20 Jahre später heisst es über den Hausvater: «ist hinweg. Man weist seit längerem nicht mehr, wo er in der Welt ist». Fischer-Kreationen sind auch der Untere Holenstein (1790) und zehn Jahre später der Hof Allmen (Gde. Hinwil). 1778/79 entsteht auf dem alten Grossacher das obere Holenstein-Haus samt einer Scheune. Aus den Balkensprüchen wird nicht klar, ob die Fischer oder die Pfenninger Bauherren sind. Heinrich Pfenninger schreibt zwar die Sprüche, doch den Pfätten-Balken zieren Fische. 1827 schliesslich baut Hans Heinrich Fischer die Schwarzweid. Es bleiben noch das Holenweidli und das Aesch. Das Holenweidli ist 1780 ein Wohnhaus mit zwei Scheunen, bewohnt von den Kleinbauern Marx Pfenninger und Ueli Hess. Beide sind Wappenswiler, die nun primär von der Baumwollspinnerei leben. Auch auf dem Aesch (Saatfeld) entsteht 1829 ein kleiner Hof. Aus der goldenen Zeit der Hand-Spinnerei (1771) wissen wir, dass allein in den Stuben von Ober- und Unterwappenswil 116 Spinnräder und zwei Webstühle laufen; im Maiwinkel werden 21 Räder gezählt.

Das lustige Geld, das in den Jahrzehnten der textilen Konjunktur in die Wappenswiler Häuser fliesst, emanzipiert die Menschen von der schweren Handarbeit. Frühe Ehen und Kinderreichtum lassen die Bevölkerung explosiv ansteigen. 1787 arbeiten in Wappenswil von den 447 Seelen in 85 Haushaltungen gerade noch vier als hauptamtliche Bauern. Bis 1836 steigt die Wappenswiler Bevölkerung auf 513 Personen. Umso schmerzlicher trifft die Aussenwacht der einsetzende Strukturwandel von 1840-1940!

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bilden sich die textilen Manufakturen zäh und langsam zurück. Familie Walder im Maiwinkel (heute Haus Röthlisberger) gehört zu den Letzten, die über das Jahr 1900 hinaus noch «Sidis wääbed» und die einst so bedeutende Textil-Ära beschliessen. Wappenswil wird wieder landwirtschaftlich geprägt wie es der Natur entspricht: Milch- und Viehwirtschaft erleben einen erneuten Aufschwung – diesmal genossenschaftlich organisiert. 1919 werden in der Käserei Wappenswil täglich 490 Liter Milch verarbeitet. Auf dem Tisenwaltsberg kommen 470 Liter zusammen. In der Käserei im Tisenwaltsberg werden 2010 täglich 2’000 Liter Milch zu Emmentaler bzw. «Waltsberger» verkäst. Um 2020 schliesst auch die Waltsberger Käserei.

Traube in Vorderwappenswil
Traube in Vorderwappenswil

In den 1920er bis 1950er Jahren sind die Wappenswiler Skipisten bis nach Zürich bekannt. Sonntag für Sonntag bei «Schnee gut» kurvt ein Ski-Sonderzug von Zürich HB nach Bäretswil, und der Wappenswiler Schneehang färbt sich beinah schwarz mit den vielen Sport-Begeisterten, die am Hang eine Piste «tretteln». Sogar eine Skischanze sorgt für Abwechslung. Speisen und wärmende Getränke sind bis 1939 in der «Traube» bei «s Zürifuermers» zu konsumieren. Der «Frohsinn» von Familie Pfenninger samt Bäckerei und Spezereien hält Wappenswil in Schwung bis in die 1970er Jahre. Dann versetzen kostspielige Bau- und Abwasservorschriften der heimeligen Wirtschaft den Todesstoss. Der Verlust dreier Wirtschaften – auch des Rosengartens – sowie der Bäckerei und der beiden Käsereien hat Wappenswil seines dörflichen Charakters beraubt. Geblieben ist noch das Schulhaus im Maiwinkel, das Wappenswil mit Bettswil teilt. Die einst grossen Aussenwachten, zu denen namentlich auch Wappenswil gehörte, stellten im 18. und 19. Jahrhundert 75% der Gemeindebevölkerung und hatten entsprechendes politisches Gewicht, denn jede stellte einen Gemeinderat oder mehr. Heute sind sie zur Minorität geworden. Der jüngste Gemeinderatsbeschluss, das Schulhaus Maiwinkel auszubauen und auf einen zentralen Schultempel im Kirchdorf zu verzichten, schreibt die dezentrale Schul-Struktur unserer Gemeinde weiter und ermöglicht den Kindern aus der Bäretswiler Bergregion einen Primar-Schulbetrieb, der ihrer Kultur entspricht. Auch die Frauenvereine von Wappenswil und Bettswil gehen heute gemeinsam ihren Weg.

A. Sierszyn, Dez. 2021

Literatur

1 - Armin Sierszyn: 66 Familiennamen seit 700 Jahren. Zwischen Bachtel, Stoffel und Schnebelhorn. Eigenverlag Dr. A. Sierszyn, Bäretswil 1996

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