Wasserversorgung Kleinbäretswil

Wasserversorgungs-Genossenschaft Kleinbäretswil (WVG)

Seit dem Jahre 1888 besteht für das Dorf Kleinbäretswil eine Brunnengenossenschaft an deren Anlagen zwei Dorfbrunnen und ein privater Laufbrunnen angeschlossen sind. Diese Genossenschaft existiert, mit einem Unterbruch von 8 Jahren, bis heute, allerdings mit einem neu dazu gekommenen privaten Laufbrunnen (ca. 1990).

Bildliste

Im Jahr 1904 war diese Versorgung mit dem köstlichen Nass aber für die Hausfrauen des Dorfes nicht mehr zeitgemäss und sie drängten ihre Männer eine Wasserversorgung zu erstellen, die das Wasser direkt ins Haus liefert.

Gesagt getan, Anfang 1905 nahm man sich der Sache an, vor allem Sekelmeister Albert Egli (1868-1950) begann mit ersten Abklärungen. So führte er im Februar 1905 Korrespondenz mit folgenden Stellen: Tonwarenfabrik Embrach, Geometer Bachofen Uster und Toggenburger Bank. Im März ging es weiter und zieht sich hin bis zum Februar 1906: Baublatt (Submissionsanzeige), Baudirektion (Plan), Bezirksrat Heusser, Gemeinderat Bäretswil, Kanzlei Fischenthal, Schlosser Kunz und mehr.  Am 8. Februar 1906 reiste Albert Egli sogar persönlich nach Uster zum Geometer Bachofen. Die Zugfahrt Gibswil-Uster kostete Fr. 2.45 und 15 Rappen noch das elektrische Tram. All diese Spesen listete er fein säuberlich auf in seinen Tagebüchern. Die Auslagen vom Februar 1905 bis Februar 1906 beliefen sich auf Fr. 12.40, die Briefe kosteten zwischen 10 und 15 Rappen.

Im Sommer 1905 ging man an die ersten Sondierungen und erstellte auch gleich eine Brunnenstube für die Quellmessung. So waren im Juli und August 1905 stets 1-2 Mann am Brunnen graben in der Luegete. Insgesamt waren es 27 Vierteltage, Lohnkosten 27 Franken (also ein Taglohn von 4 Franken)! Verbaut wurden unter anderem: Drainrohre, Steingutrohre und für die Brunnenstube ein Zementrohr Durchmesser 60 cm für 6 Franken inkl. Fuhrlohn. Lieferant Stössel, Waswis, bekam sogar einen Überzeitzuschlag von 60 Rappen. Im Dezember wurde noch ein weiteres Probeloch gegraben.

Dorfbrunnen von 1888 und ehemaliger Volg (1918-1935)

Statutenbereinigung und Gründungsmitglieder der WVG

Im Januar 1906 finden zwei Sitzungen betreffs Statutenbereinigung für die Wasserversorgung statt und am 6. Februar bereits die «Konstituierende Generalversammlung der Wasserversorgung»:

Gründungsmitglieder sind: Präsident Gottlieb Egli (bis 1909 im Underhus, heute Lattmann); Quästor Gottlieb Walder (Wirtschaft Walder, Kleinbäretswil); Aktuar Albert Egli (*1868/Seckelmeister); dann die Mitglieder Albert Egli-Walder (im Grossen); Gebrüder Walder (gez. Albert Walder); Ferdinand Meier (s‘Ferdinande); Jakob Meier (s’Meier Schaagge, Bruder von Ferdinand) und Albert Keller-Knecht im Lee, er ist dabei, weil die heutige Liegenschaft Schlagenhauf inkl. Kirchweid noch zum Bauernbetrieb Keller Lee gehörte, dieser Teil kam aber später infolge Erbteilung zu Fam. Graf, Maiwinkel.

Im Mai 1906 genehmigte die Direktion des Innern des Kantons Zürich das von Geometer Bachofen ausgearbeitete Projekt. Es beinhaltete Quellfassungen im Gebiet Stüssel und Harnischholz sowie ein 2-kammriges Reservoir mit einem Inhalt von total 100 m³ (50 m³ Löschreserve) in der Luegeten (Wasserspiegel 944.50 m.ü.M.). Für die Druckleitungen sind Von-Roll Gussrohre der Nennweite 125, 100 und 75 mm vorgesehen, daran angeschlossen 4 Oberflurhydranten Modell Clus. Für die Hauszuleitungen sah man Mannesmannrohre mit einem Innendurchmesser von 40 mm vor.

Finanzierung

Natürlich ging es auch um die Finanzierung. Ein ehemaliger Bergler, der mittlerweile zum Direktor der Winterthur-Versicherung aufgestiegen war, zeigte sich grosszügig und unterstützte den Wasserversorgungsbau mit einem Darlehen von rund 10’000 Franken. Dieser Dr. Bosshard stammte vom Hintersädel (heute Rempfler) und war ein Freund von Sekelmeister Albert Egli. Aber auch Quästor Gottlieb Walder und Aktuar Albert Egli mussten noch mit Darlehen helfen und von der Politischen Gemeinde Bäretswil kam ein Beitrag von Fr. 600 an die Erstellungskosten. Dies ersehen wir aus der Beitragsabrechnung der Brandassekuranz in der es unter anderem heisst: «Das Benutzungsrecht der Hydranten für den Feuerlöschdienst hat die Unternehmerin der politischen Gemeinde Bäretswil bleibend eingeräumt gegen einen einmaligen Beitrag aus der Gemeindekasse von Fr. 600.- und die weitere Verpflichtung der Gemeinde zur Anschaffung des nötigen Hydrantenzubehörs.»

Erstellung der Anlage

Nun aber zur Erstellung der Anlage, anbei ein Abriss der Ereignisse gemäss Tagebuch von Albert Egli (1868-1950):

Vorgängig wurden verschiedene Wasserversorgungen in der Region besichtigt, so die WV Bühl, WV Wald und WV Steg. Im März führte Albert Keller im Lee bereits die Steingutröhren von der Station Gibswil nach Kleinbäretswil und zur Luegete. Dann sind immer wieder Besprechungen, so mit Hr. Schwarz von Zürich und Hr. Brändli, Uster. Am 23.03. wurden die Arbeiten für die Wasserversorgung (Reservoir) an „Cerliani“ in Kempten vergeben und am 1. Mai ist er bereits mit der Baracke und 4 Mann angekommen. Schmid Egli vom Fischenthal war im März mit dem Verlegen der Röhren beschäftigt und im Mai wurden schon die Quellen gefasst, dann aber kam der Schnee, 30 cm tief und verursachte eine kurze Unterbrechung der Bauarbeiten. Aber bald geht es zügig weiter und Ende Mai heisst es im Tagebuch von AE: «Installation in Scheune montiert und Installation in Küche und Keller.» Ebenfalls Ende Mai wird der Reservoirplan an die Assekuranzkanzlei geschickt.

Ende Juni erfolgt die Druckprobe der neuen Leitung: 20 Minuten auf 15 Atmosphären. Anfang Juli sind Erdarbeiten der Wasserversorgung vollendet und am 14. Juli erfolgt die Probe der Hydranten durch den Unternehmer. Anfang Oktober beträgt der Quellzufluss 6 Minutenliter, Ende Oktober nur noch 4 Minutenliter.

Gemäss Bauabrechnung waren folgende Firmen und Arbeiter beschäftigt mit dem Bau der neuen Anlage: (Quellfassungen / Reservoir / Hauptleitung / Überflurhydranten): Hermann Egli, Ghöch; Emil Egli, Fehrenwaldsberg; Albert Egli, Sädel; Emil Walder, Gebrüder Walder, Ferdinand Meier, Gottlieb Egli, Albert Egli, alle Kleinbäretswil; Adolf Rüegg zur Linde, Fischenthal; Albert Keller, Lee; weitere Arbeiter sind Oertli und Muggli; dann auch Tonwarenfabrik Embrach; Fa. Cerliani; Schmid Egli, Fischenthal und Stössel Bäretswil (Transporte).

Überprüfung und Abnahme

Anlässlich einer Feuerwehrübung im Oktober hat man die Wasserversorgung getestet, das Strahlrohr (früher Wendrohr) lieferte mit Kaliber 18 mm : 360 Ltr. und mit Kaliber 15 mm: 180 Ltr. per Minute. Am 6.12. erfolgte die Notarielle Fertigung der Wasserversorgung beim Notariat Bauma und am 28. Dezember 1906 die Eingabe der Bauabrechnung an die Direktion des Innern in Zürich:

Die Abnahme der Hydrantenanlage erfolgte am 12. September 1907 durch den staatlichen Experten und am 9. Dezember 1907 hat die Direktion des Innern den Staatsbeitrag von Fr. 2’535.- an die Baukosten von Fr. 12’129.80 ausgerichtet.

Wortlaut der Verfügung:

2177. Wasserversorgung. Die Wasserversorgungsgenossenschaft Kleinbäretswil, politische Gemeinde Bäretswil, hat im Jahre 1906, in Ausführung eines von der Direktion des Innern am 10. und 30. Mai 1906 genehmigten Projektes, eine Wasserversorgungsanlage mit einem Reservoir von 2 x 50 = 100 m³ Raumgehalt und vier Hydranten erstellen lassen.

Mit Eingabe vom 28. Dezember 1906 stellte die genannte Genossenschaft das Gesuch um einen Beitrag an die diesfälligen Kosten. Diese betragen nach einer mit dem Gesuch vorgelegten Baurechnung und den beigegebenen Originalrechnungen im ganzen Fr. 12’129.80.

Davon fallen jedoch ausser Betracht: Fr. 1’958.15 als verrechnete Kosten für Privatanschlüsse und Zuleitung zu den Häusern (Beleg Nr. 25) und Fr. 39.25 als verrechnete Auslagen für Traktamente und Trinkgelder (Beleg Nrn. 3 und 22). Summa Fr. 1’997.40, und es beträgt somit die massgebende Kostensumme Fr. 10’132.40.

Über die Beschaffenheit und Leistungsfähigkeit der in Frage stehenden Anlage spricht sich der mit Vornahme der Hydrantenprobe betraute Experte, Herr Stadtgeometer J. Jb. Ruckstuhl, in Winterthur, in seinem vom 1. Oktober 1907 datierten Gutachten befriedigt aus.

Die Genossenschaft „Wasserversorgung Kleinbäretswil“ besteht aus 8 Gebäudeeigentümern von Kleinbäretswil und wurde lediglich zu dem Zwecke gebildet die Genossenschaftsmitglieder mit dem nötigen Trink- und Brauchwasser zu versehen und der Feuersgefahr durch eine Hydrantenanlage vorzubeugen. Das für die Unternehmung benötigte Baukapital wurde durch ein unter solidarischer Haftbarkeit sämtlicher Genossenschafter erhobenes Darlehen beschafft, für dessen Verzinsung und Amortisation die letzteren nach der Hahnenzahl bemessenen Wasserzins zu entrichten haben.

Das Benutzungsrecht der Hydranten für den Feuerlöschdienst hat die Unternehmerin der politischen Gemeinde Bäretswil bleibend eingeräumt gegen einen einmaligen Beitrag aus der Gemeindekasse von Fr. 600 und die weitere Verpflichtung der Gemeinde zur Anschaffung der nötigen Hydrantenzubehör.

Der Gemeinderat Bäretswil empfiehlt mit Gutachten vom 31. Oktober 1907 das vorliegende Beitragsgesuch zu bestmöglicher Entsprechung. Durch die erstellte Hydrantenanlage sei die aus 13 Wohnungen, 13 Scheunen und Schöpfen, 1 Sennhütte und 1 Stickereigebäude bestehende Ortschaft Kleinbäretswil bei Feuerausbruch in vorzüglicher Weise geschützt, was umso mehr zu schätzen sei, als die in Fehrenwaltsberg stationierte Spritze zur Bedienung der Mannschaft aus den sämtlichen umliegenden Weilern und Höfen bedürfe, so dass im günstigsten Fall ¼ bis ½ Stunde dauern würde, bis diese Mannschaft alarmiert, auf dem Brandplatze erscheinen und die Spritze in Aktion gesetzt werden könnte. Auf einen Beitrag aus der Brandassekuranzkasse an die der Genossenschaft seitens der Gemeinde gespendete Summe wird von letzterer zu Gunsten der ersteren verzichtet.

Was die ökonomische Lage der Unternehmung anbetrifft, so ergibt sich aus den vom Sekretär der Brandassekuranz anlässlich der Gebäudenummerierung in Kleinbäretswil eingesehenen Büchern und Rechnungsheften des Quästors der Genossenschaft, dass die jährliche Wasserzinseinnahme nur Fr. 350 beträgt, während für die Verzinsung der am Schlusse des ersten Betriebsjahres (Ende März 1907) auf Fr. 11’250 sich belaufenden Bauschuld Fr. 450 erforderlich waren. Die Bauschuld von Fr. 11’250 ist für die Genossenschaftsmitglieder umso drückender, als die Zahl der letzteren nur eine kleine ist und die Wasserzinse ohnehin schon ziemlich hoch angesetzt werden mussten.

Da die normale Berechnung des Beitrages nach den Vermögens- und Steuerverhältnissen der politischen Gemeinde Bäretswil zu erfolgen hat, während die bei der Genossenschaft Beteiligten nur einen ganz minimalen Teil des in Betracht kommenden Gesamtsteuerkapitals besitzen, auch von den übrigen Steuerfaktoren nur ein verschwindend kleiner Teil durch die Genossenschafter selbst repräsentiert wird, so fällt der normal berechnete Beitrag gegenüber den finanziellen Schwierigkeiten, in welche die Genossenschaft durch das relativ sehr kostspielige Unternehmen sich versetzt sieht, ziemlich dürftig aus. Deshalb hat denn auch die Unternehmerin schon vor der definitiver Beschlussfassung über Ausführung der Anlage bei der Direktion des Innern angefragt, ob es nicht möglich wäre, aus der Brandassekuranzkasse einen etwas erhöhten Beitrag zu erhalten, und hat die letztere auf die Anfrage erwidert, dass sie dem Regierungsrate befürworten werde, den Beitrag auf das nach der Verordnung zulässige Maximum von 25 Prozent zu erhöhen.

Nach Einsicht eines Antrages der Direktion des Innern, und in Anwendung der Bestimmungen der Verordnung betreffend Beiträge an die Kosten von Feuerlöscheinrichtungen vom 12. Mai 1892

                                                b e s c h l i e s s t   d e r   R e g i e r u n g s r a t:

I. Der Genossenschaft „Wasserversorgung Kleinbäretswil“ wird an die Kosten ihrer im Jahre 1906 erstellten Hydrantenanlage ein Beitrag von Fr. 2’535 aus der kantonalen Brandassekuranzkasse bewilligt.

II. Mitteilung an a) Die Genossenschaft „Wasserversorgung Kleinbäretswil“, unter Rücksendung der eingelegten Original-Rechnungsbelege; b) das Statthalteramt Hinwil, unter Hinweisung auf § 18 der oben zitierten Verordnung vom 12. Mai 1892; c) die Direktion des Innern, Abteilung Brandassekuranzwesen unter Rückgabe der übrigen Akten.

Zürich, den 30. November 1907. Vor dem Regierungsrate, Der Staatsschreiber Dr. A. Huber


Aber erst im Jahre 1920 bemühte sich der Vorstand der Genossenschaft um eine Konzession des Kantons mit dem Anmeldeformular vom 22.06.1920 für Wasserbenützungsanstalten an Grundwasserströmen und -Becken des Kantons Zürich. Die Konzession wurde noch im selben Jahr erteilt, natürlich mit entsprechenden Auflagen.

So gab es nun in Kleinbäretswil eine Wasserversorgungsgenossenschaft mit den Quellen in der Luegte und im oberen Hornetsholz (Harnischholz) sowie eine Brunnengenossenschaft mit viel tiefer gelegenen Quellen im unteren Teil vom Hornetsholz nahe der Hauptstrasse. Aber auch die Hüttenbesitzer der Sennhütte im Chatzetobel hatten noch eine eigene Versorgung mit Quellwasser im Quellgebiet der Brunnengenossenschaft. In der Sennhütte gab es einen Laufbrunnen in dem die handgefertigten «Ankemödeli» schwammen und vom frischen Quellwasser gekühlt wurden.

Die Wasserversorgung diente auch noch als Turbinenantrieb, ab 1910 bezahlte Albert Egli jährlich Fr. 25.- für sog. «Kraftwasser». Er hatte in der Scheune eine Turbine erstellen lassen, mit Anschluss an die Wasserversorgung. Mit dieser Turbine konnte er die auf verschiedenen Ebenen laufende Transmissionsanlage betreiben, inklusive Heuaufzug. Regeln konnte man den Druck mit einem Handschieber. Anna Egli (1910-2013) erinnerte sich noch, dass sie als Kind jeweils am Schieber stand und nach Anweisung ihres Vaters den Wasserzulauf regulieren musste. Die Anlage inkl. Turbine ist heute noch vorhanden, aber nicht mehr an die Wasserversorgung angeschlossen. Das Gestänge der Transmission mit den verschieden grossen Rädern reichte von der Nordseite der Scheune (mit einem Rad ausserhalb der Mühle) über das Tenn und den Stall bis zum Mostereilokal mit entsprechenden Übersetzungen. Im Herbst wurde der Transmissionsantrieb auch für die Holzfräse und die Mosterei genutzt. Gemäss Kassabuch der Wasserversorgung wurde der Obolus für das sog. Kraftwasser bis 1947 entrichtet.

Generalversammlungen

Aber bleiben wir bei der Wasserversorgungsgenossenschaft Kleinbäretswil. Die Generalversammlungen fanden natürlich stets in der Wirtschaft Walder (ab 1957 Wirtschaft Berg) statt. Die ersten Jahre ohne Wurst, dann mit einem Gratisgetränk (im Protokoll hiess es öfters: «Als Entschädigung durfte 1 Liter Wein nicht fehlen») und ab 1955 wurde sogar Schüblig, Wein und Kartoffelsalat serviert.

In einem Protokollauszug der Generalversammlung vom 12. Dez. 1927 heisst es: «Für den ausgeschiedenen Adolf Egli ist anwesend im Auftrag der neuen Liegenschaftsbesitzer, Herr Paul Walder, Bettswil. Die Verhandlungen wurden zufolge Abwesenheit des Präsidenten vom Aktuar Albert Egli geleitet. Für den ausscheidenden Präsidenten Adolf Egli wurde in offener Abstimmung gewählt: Emil Walder (Wirtschaft Walder).»

Der Abschied von Adolf Egli-Scherrer und der Wegzug der Familie ist die Folge einer Unterschlagung, die er als Konsumverwalter in den Jahren 1922-1926 begangen hatte. Er wurde im Februar 1927 polizeilich abgeholt, im April fand die Vieh- und Futtergant statt und im August die Versteigerung seiner Liegenschaft. Seinen Bauernbetrieb im Grossen (heute Köbi Brunner) ersteigerte die Landwirtschaftliche Genossenschaft Bäretswil (Präsident August Wolfensberger). Zum Heuet wurden auch öfters Nachbarn und Angestellte der Genossenschaft angestellt. Dies gemäss mündlicher Überlieferung von Anna Egli Tellenbach, der späteren Depothalterin vom Depot Berg (Konsum Kleinbäretswil). Im Mai 1927 war Adolf Egli vor das Obergericht gekommen und bekam 2 ½ Jahre Arbeitshaus. Später verkaufte die Landw. Genossenschaft diese Liegenschaft an Fabrikant Hermann Honegger, Wetzikon, der damit auch Genossenschafter der Wasserversorgung wurde.

Konsum Berg

Im Jahre 1935 erbaute die Landw. Gen. Bäretswil das Depot Berg (Konsum mit Wohnung) in Kleinbäretswil als Ersatz für den ersten Konsum von 1912 und schon an der GV vom 19.02.1937 musste sich die Wasserversorgungsgenossenschaft mit einem Gesuch befassen: «Unter Verschiedenem liegt ein Gesuch der Landwirtschaftlichen Genossenschaft vor, um Reduktion des Hahnenzins im neuen Konsumgebäude Kl. Bäretswil, welchem nicht entsprochen wurde».

Volg von 1935

Im Jahr 1936 erstellt Baumeister Ernst Zollinger, Gibswil, eine neue Brunnenstube im Hornetsholz.

Auf die GV von 1938 tritt Alfred Meier von seinem Amt als Quästor zurück, anscheinend gab es Differenzen. Als Nachfolge wird Albert Egli-Küng vorgeschlagen, dieser tritt das Amt aber altershalber (70) nicht mehr an. Gewählt wird sein Sohn Albert Egli (*1921), da noch minderjährig mit Verantwortung und Einverständnis des Vaters.

Die Generalversammlung vom Februar 1940 musste sich nochmals mit dem Konsum (Depot Berg), bzw. der Landw. Genossenschaft Bäretswil auseinandersetzen. Wörtlich heisst es im Protokoll: «Weil vom Landwirtschaftlichen Konsum Depot vom 1. Juli 1938 bis 30. Juni 1939 nur von einem Hahn bezahlt wurde, gab es zu verschiedenen Aussprachen Anlass. Es wurden Vergleiche gemacht: Albert Egli-Küng sagte, Verwalter Wolfensberger habe bei ihm vorgesprochen und bemerkt, dass der Hahnenzins zu hoch sei. Und die Versammlung kam zum Beschluss, dass man vom zweiten Hahn die Hälfte erlassen wolle, solange nur eine Person den Konsum bewohne. Also hätten sie noch 10 Fr. nachzuzahlen, was dem Verwalter Wolfensberger vom Aktuar mitgeteilt wurde.» Auch ein Leitungsbruch wird erwähnt, die Reparatur besorgte Fritz Egli, Fehrenwaldsberg und die Erdarbeiten wurden vom Präsidenten und dem Aktuar der Genossenschaft ausgeführt!

Im Jahre 1940 verlangte das Handelsregisteramt eine Überarbeitung der Statuten und bot an, diese fachgerecht zu erstellen. Der Vorstand traute diesem Angebot aber nicht, wörtlich heisst es: «Man ist der Auffassung, die bürokratische Behandlung würde zu gross ausfallen für so eine kleine Genossenschaft». So ging man einen einfacheren Weg, zu Entschlüssen kam man nicht, einigte sich aber darauf, zuzuwarten bis eine andere Genossenschaft ihre Statuten revidiert um sich dann an diesen zu orientieren. Schluss der Verhandlung! Aber schon zwei Jahre später war das Problem gelöst und die Statuten wurden von der Druckerei Brunner in Bäretswil gedruckt.

Im Jahre 1944 befasste sich die Generalversammlung mit dem Vorschlag ihres Gläubigers Dr. Bosshard, für die Tilgung der Restschuld des Darlehens vom Jahre 1906. Protokolliert ist das folgendermassen:

«Unser Gläubiger Dr. Bosshard in Winterthur hat im Laufe des Jahres einen Vorschlag gemacht und 2 Tabellen ausgearbeitet betreffs der Amortisation des Kapitals von 8000 Fr. Es sei uns ja freigestellt etwas anzunehmen oder es bleibe beim Alten. Bis heute Zins 4% (Fr. 350). Tabelle 1: Jährlich 360 Fr., Zins 3% (240 Fr.), Amortisation 120 Fr., Mehrleistung 40 Fr. Tabelle 2: Jährliche Zahlung 400 Fr., Zins 3% (240 Fr.), Amortisation 160 Fr. Mehrleistung 80 Fr. Bei Tabelle 2 in 20 Jahren 1600 Fr. Mehrleistung und rund 4’600 Fr. Kapitalreduktion. Man war der Auffassung die Gelegenheit nicht zu verpassen und wählte Tabelle 2 was Dr. Bosshard auch bald mitgeteilt werden solle.»

Aber auch der schlechte Besuch der Generalversammlung wurde kritisiert und vorgeschlagen, dass in Zukunft für das Fernbleiben eine Busse von 1 Franken zu entrichten sei. An der nächsten GV wurde jedoch kein Beschluss gefasst mit der Begründung, dass es für einige Mitglieder doch einen recht weiten Weg sei nach Kleinbäretswil, so für Fabrikant Hermann Honegger, Wetzikon und Ernst Graf Maiwinkel. Dafür beschloss man die Abgabe eines Gratisgetränks für jeden GV-Teilnehmer.

Eine interessante Episode noch diese: 1945 musste eine Streckenschieber ersetzt werden, so heisst es im Protokoll: «Wenn ein Mitglied vom Vorstand nach Bäretswil geht, soll er beim Schmid Bertschinger vorsprechen und wenn die Kosten bei der heutigen Materialknappheit nicht zu gross sind, ihm den Auftrag erteilen.» Hier spielt natürlich der zweite Weltkrieg eine Rolle. Ein Jahr später wurde dann beschlossen eine Offerte einzuholen bei Schmid Bertschinger!

Im sehr trockenen Jahr 1947 ging der Quellertrag so massiv zurück, dass der Vorstand der Genossenschaft einen Aufruf zum Wassersparen erliess. Auch weitere Trockenheit und das Versiegen einer Quelle führte dazu, dass man sich aufs Neue auf die Wassersuche machte. Im Januar 1949 begann man im Gebiet Stüssel-Haberaker, nach Verhandlungen mit dem Landbesitzer Otto Diener-Rüegg, mit Grabarbeiten für eine weitere Wasserfassung und am 19. besuchte Albert Egli in Wetzikon einen Vortrag, Thema Geologie + Wünschelrute. Am 26. Januar sind die Arbeiten beendet und am 23. März besichtigt Ingenieur Haas von der Brandassekuranz, heute Gebäudeversicherung (GVZ), die Wasserversorgung. Gesamtkosten der neuen Quellfassung mit Schacht Fr. 3’310.

Im Jahre 1952 wurde die Restschuld von Fr. 2’200 (Gläubiger Dr. Bosshard, Winterthur) mit einer einmaligen Zahlung getilgt, darauf folgte eine Ermässigung der Wassergebühren.

An der GV 1953 ist ein Zusammenschluss der beiden Versorgungen, Wasser- und Brunnen-Genossenschaft ins Auge gefasst worden. Dies ergab auch eine Diskussion rund um die Brunnenrechte. Stand war folgender: Brunnen im Dörfli: Ernst Graf, Maiwinkel; Hermann Honegger, Medikon; Alfred Meier und Ferdinand Meier. Brunnen vor der Wirtschaft: Albert Egli-Zollinger; Emil Walder und Christian Eicher. Brunnentröge, Stöcke und Auslaufröhren oder Hahne müssten wie bis anhin von den Berechtigten unterhalten oder ersetzt werden. Es würden nur die Quellen und Leitungen von der Wasserversorgungsgenossenschaft übernommen. Im Februar 1954 orientierte auch der Präsident der Käsereigenossenschaft über den vorgesehenen Zusammenschluss der Wasserversorgung und der Brunnengenossenschaft Klein Bäretswil. «Die Brunnengenossenschaft besitzt kein Kapital und ist nicht im Handelsregisteramt eingetragen. Bei Reparaturen an den Brunnenfassungen muss immer zuerst eine Kommission gewählt werden, die dann das Geld bei den Mitgliedern einzieht. Da die Brunnengenossenschaft und die Wasserversorgung mit Ausnahme von Jakob Lattmann dieselben Mitglieder haben, wäre es einfacher, die beiden Genossenschaften zusammenzuschliessen. Die Wasserversorgung stellt darum den Antrag, dass die Wasserversorgung die Leitungen und Brunnen der Brunnengenossenschaft übernimmt. Dafür erhält die Käsereigenossenschaft ein Benützungsrecht am oberen Dorfbrunnen bei Emil Walder (Wirtschaft).» Dies, weil der Käser sein Kleinvieh auch gerne am Brunnen tränken möchte. Die Versammlung stimmte dem Antrag einstimmig zu und so übernahm die WV Kleinbäretswil im Laufe des Jahres 1954 die Brunnengenossenschaft obwohl deren Anlagen (Quellfassung und Leitung) total getrennt sind von den Anlagen der Wasserversorgung.

01.03.1956 GV: Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens der Genossenschaft sind auch alle Wasserbezüger zum Schübligbankett eingeladen.

Im Sommer 1958 kontrollierte Herr Wegmann, ein Experte des Gesundheitsamtes Zürich, zusammen mit Gemeindeschreiber Pfenninger die Wasserversorgung und stellte verschiedene Mängel fest die es zu beheben gilt im Laufe des Jahres 1959.

An der GV vom Februar 1959 tritt Präsident Emil Walder zurück, neu gewählt wird sein Sohn Hansjörg, der das Aktuariat übernimmt, neuer Präsident wird Christian Eicher, Albert Egli bleibt Quästor. Weitere Geschäfte sind die Aufnahme von Fritz Ruch in die Genossenschaft. Der Zimmermann aus Regensdorf hatte am Stüssel ein kleines Ferienhaus erstellen können. Nun ersuchte er um einen Anschluss an die WV Kleinbäretswil. An der GV vom Februar 1959 wird ihm das zugestanden. Ein weiteres Anschlussgesuch kam von der Käsereigenossenschaft und zwar für das neu erstellte Kühlhaus mit Schlachtlokal.

An der GV vom Februar 1960 wird erstmals Frau Bruppacher erwähnt (heutiger Betrieb Köbi Brunner), sie hat den Bauernbetrieb von Fabrikant Honegger erworben. Pächter bleibt Zacharias Dürst. Im Dörfli wurde die Erstellung eines neuen Brunnens in Aussicht genommen Fr. 220.-.

Wasserversorgung Allmann

Aber die Zeit bleibt auch auf dem Berg nicht stehen und so gibt an der GV 1961 erstmals das «grosse» Wasserversorgungsprojekt zu reden (WV Allmann):

An der Generalversammlung im Februar 1961 informiert Hermann Egli die Genossenschafter über die neue Wasserversorgung (Allmann). Trotzdem wurde im Sommer 1964 noch ein neues Projekt zur Behebung der Wasserknappheit ins Auge gefasst. An der ausserordentliche GV im Juli referierte Albert Egli über die Erstellung eines Reservoirs von 5 m3 zur Speicherung des Brunnenwassers und einer darin zu installierender Pumpe zur Förderung des Brunnenwassers ins Reservoir Luegete der WV Kleinbäretswil. Durch diese Massnahme hoffte man die prekären Verhältnisse bei Wassermangel überbrücken zu können. Dieses gemeinsam mit der Käsereigenossenschaft erstellte kleine Reservoir mit einer neuen Leitung bis zur Käserei kam auf Fr. 5’930 zu stehen, wovon die WV 3876 Fr. zu tragen hatte. Das geplante Pumpwerk wurde nicht erstellt. Aber schon an der GV im Januar 1966 wird über den Verkauf der gesamten Wasserversorgungsanlage an die WV Allmann diskutiert und beschlossen, diese für Fr. 6’000 zu verkaufen, ohne die Brunnenversorgung.

An der ausserordentlichen GV vom Februar des gleichen Jahres orientierte Ingenieur Haas von der Gebäudeversicherung über das Projekt WV Allmann und bietet der WV Genossenschaft Kleinbäretswil einen Kaufpreis von Fr. 5’000 für ihre Anlagen an. Dies wird angenommen und am 10.01.1967 auf dem Notariat Bauma beglaubigt und eingetragen. Zudem erhielt Fritz Eicher die Bewilligung, das Land, auf dem das Reservoir steht, an die WV Allmann zu verkaufen.

Zurück zur Brunnengenossenschaft

Im Jahre 1965 ist die Wasserversorgungsgenossenschaft Allmann (WVA) gegründet worden. In der Projektphase konnten die Anlagen der Wasserversorgungsgenossenschaft Kleinbäretswil (Quellfassungen und Reservoir Luegeten sowie die Versorgungsleitungen und 4 Hydranten) pauschal für Fr. 5000.- übernommen und in die neue Anlage der WVA integriert werden. Somit ergab sich wieder eine Trennung des 1954 vereinbarten Zusammenschlusses WV Kleinbäretswil und Brunnengenossenschaft. Diese wurde in der Folge wieder zu einer eigenen Genossenschaft mit denselben Vorstandsmitgliedern der ehemaligen WV Kleinbäretswil, nämlich: Präsident Christian Eicher, Aktuar Hansjörg Walder und Quästor Albert Egli-Zollinger der 1965 auch Präsident der neu gegründeten WV Allmann geworden war. Im Jahre 1967 starb Christian Eicher und so übernahm Albert Egli auch noch das Präsidium der Brunnengenossenschaft. Die Generalversammlung vom 15.03.1967 wird erstmals wieder unter dem Titel «Brunnengenossenschaft Kleinbäretswil» abgehalten.

Damit endet die Geschichte der Wasserversorgung Kleinbäretswil die von 1906 bis 1966, ganze 60 Jahre lang das Dorf Kleinbäretswil mit Trink-, Brauch- und Löschwasser versorgte.

Albert Egli, Feb. 2022

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