Züriputsch von 1839

Am 5. September 1839 um 18.00 liess Pfarrer Hirzel von Pfäffikon 4 Stunden lang die Sturmglocken läuten. Pfäffiker und Bewohner umliegender Zürcher Oberländer Dörfer zogen bewaffnet mit Gewehren, Sensen und Stöcken nach Zürich, um die radikale Regierung zu stürzen. Nach blutigen Auseinandersetzungen und mehreren Toten flüchtete die radikale Regierung. Eine konservative Regierung übernahm das Zepter. Dieses «Septemberregime» währte 6 Jahre lang. 1845 übernahmen die Liberalen die Macht im Kanton. Pfarrer Hirzel und seine Frau begingen später gemeinsam Suizid.[1] [2]

Publikation der Antiquarischen Gesellschaft Pfäffikon und der Paul-Kläui-Bibliothek Uster, 1989, zum 150. Jahrestag

Die Ursachen des Volkszorns

Viele Hoffnungen hatte der Ustertag von 1830 mit den ersten Schritten zur Demokratie genährt.
Der Landbevölkerung ging es nicht gut. Die Hungersnot von 1816 und die Mechanisierung in der Spinnerei hinterliess Spuren. Mit verbesserter Bildung und der Liberalisierung von Wirtschaft und Presse ging man nun einer besseren Zukunft entgegen. Die Lehrerbildung, die bisher undenkbar schlecht war, wurde gefördert, Verkehrswege gebaut und Postkutschen Verbindungen eröffnet.

Nicht alle konnten von diesen Neuerungen profitieren. Viele Eltern hätten ihre Kinder lieber beim Geldverdienen in der Fabrik gesehen als in der Schule. Und viele Pfarrer, die allesamt der Stadtzürcher Aristokratie entstammten und meistens die einzigen Gebildeten im Dorfe waren, fürchteten sich vor dem Verlust ihrer Monopolstellung. Bisher waren sie nicht nur für die Kirche, sondern auch für die Schule, das Armenwesen und die Einforderung des Zehnten zuständig gewesen.

Mit der Einführung der Lehrerbildung im neuen Seminar Küsnacht unter Thomas Scherr kam ein Stück Aufklärung ins Zürcher Oberland, wodurch nicht nur Pfarrer den Glauben gefährdet sahen. Auch der «kluge Müller» von Bauma, Heinrich Gujer, hatte wiederholt die Absetzung von Scherr gefordert.[3]

Der Straussenhandel, Auslöser und auch nicht

Eine echte Provokation hatte sich die radikale Zürcher Regierung mit der Berufung von David Friedrich Strauss an die Theologische Fakultät der neuen Universität Zürich geleistet. Strauss bestritt die Gottheit Jesu. Die Berufung des Reformtheologen hatte zu grossen Protesten im Kanton geführt. Die Regierung machte den Handel rückgängig, aber das konnte die Lage nicht mehr beruhigen.

Pfarrer Bernhard Hirzel war erst seit kurzem Pfarrer in Pfäffikon und in der angeheizten Lage überfordert. Heinrich Gujer hätte als Statthalter des Bezirks die Lage wohl beruhigen können, wenn er es gewagt hätte.[4] Schon die leisesten Gerüchte von Versammlungen der Radikalen und von Truppen Zusammenzügen führten zum Läuten der Sturmglocken von Pfäffikon und Umgebung. Nur mit Mühe konnte dies der besonnene Pfarrer von Bäretswil, Dekan Waser, in seiner Gemeinde verhindern. Nicht verhindern konnte er, dass am Abend darauf doch noch eine Gruppe von Bäretswilern nach Zürich zog. Eine der ersten Aktionen der neu eingesetzten konservativen Regierung war die Freilassung des Rellsten Felix und der übrigen Inhaftierten des Usterbrandes, eine späte Genugtuung für Bäretswil. Von der Gemeinde gab es besonders viele Gefangene, weil Bürgi von Adetswil diese bei der Brandstiftung erkannt hatte und später überführte, was man hier als Ungerechtigkeit und Schmach empfand.

Einzelnachweise

[1]Julius Studer: Die Geschichte der Kirchgemeinde Bäretswil. Zürich 1870, Digitalisat
[2]diverse Autoren: Züriputsch. 6. September 1839. Sieg der gerechten Sache oder Septemberschande?. Buchverlag der Druckerei Wetzikon AG 1989, ISBN 3-85981-155-X
[3]Bernhard A. Gubler: ibid. , S.23
[4]Bernhard A. Gubler: ibid. , S.35

weiter >