450 Jahre Murerplan. Taufe im Grossmünster durch Ulrich Zwingli
03.02.2025 / Martin Weiss [PBA.KGES.101p]
Sehr geehrter Herr Sierszyn,
ich habe mit Interesse Ihren Beitrag «Zur Täuferbewegung im Grüninger Amt» gelesen.
Der Grund ist: Ich plane mit einigen Historikern die Durchführung des Jubiläums «450 Jahre Murerplan» (1576-2026).
Der Vater von Jos Murer, dem Kartographen und Künstler der berühmten Planvedute, stammte aus Grüningen und hat sich1526 in Zürich einbürgern lassen. Somit hat er die Bauernrevolte und auch die ersten Täuferpredigten im Grüninger Amt noch mitbekommen.
Mit der Frage: Hat er mit den Bauern, ev. auch mit den Täufern sympathisiert?
Der zweite Ansatz ist Jos Murers Taufe 1530 durch Zwingli.
Dies erlaubt uns, in den Publikationen auch an dieser Stelle auf die Täuferthematik nochmals einzugehen bzw. sie aufzurollen.
Ich habe dazu mal eine erste Auslegeordnung geschrieben.
Es ist ein Rohtext, unlektoriert, sozusagen mal als «erster Wurf»\"
Gerne sende ich Ihnen diese zur kritischen Lesung in der Beilage - dies auch deshalb, weil ich Sie und Ihren Artikel zitiere.
Mir ist angesichts der unter Historikern doch äusserst kontrovers geführten Diskussion zur frühen Täuferfrage klar, dass mein «summary» nicht unbedingt allenthalben Appplaus findet.
Gespannt bin ich, was Sie davon halten.
In diesem Sinne: Kritik und konkrete Verbesserungsvorschläge willkommen.
Gruss aus Höngg, wo die Täufer ja auch schon früh aktiv waren;-)
Martin Weiss,
SQWISS GmbH, Winzerstrasse 97, 8049 Zürich, 044 273 73 22, mail@sqwiss.ch
Sehr geehrter Herr Weiss,
Gerne habe ich Ihren Bericht (ohne die Geschichte von Münster) durchgelesen. Aus meiner Sicht ergeben sich die folgenden Korrekturen:
-Zürich erlebt 1524 keinen Bildersturm oder höchstens da und dort kleine Ansätze dazu. In der Stadt selbst werden die Bilder durch Anordnung des Rats geordnet entfernt. Die Altartafeln von Leu wurden vermutlich wegen der eindrücklich naturgetreuen Darstellung des Umlandes geschont. (Die Überreste der Heiligen wurden des Nachts von einem Katholiken in die Innerschweiz geflüchtet).
-Der Werfall von Jesus heisst Jesus, Jesu ist vokativ (O Jesu)
-Zwingli hielt die Kindertaufe für biblisch geboten, da sie der Ersatz der alttestamentlichen Beschneidung für das Volk des Neuen Bundes sei (Kolosserbrief 2,11). Dieses theologische Element war entscheidend.
-Küsnacht, nicht Küssnacht
-Was heisst «lassungen»? Unverständlich.
-Manz wurde am 5.1.1527 (nicht am 7.3.25) ertränkt. Nicht Zwingli, sondern der Arm des Staates hat ihn, offiziell wegen Meineids, ertränkt. Zwingli war aber damit einverstanden.
-Die Bevölkerung der Herrschaft Grüningen hat schon seit 1408 ein gebrochenes Verhältnis zur Stadt: Die Brüder Gessler verpfändeten damals bei Nacht und Nebel die Herrschaft an die Limmatstadt.
-Plünderung der Klöster am Folgetag? M.W. zwischen dem 23./25 April.
-Zürich macht den Grüningern keine massive Zugeständnisse, sondern erlässt ihnen lediglich den Kleinen Zehnten. Es sind die gemässigteren Bauern des Unterlandes, welche auf dem Bauerntag bei Töss den erregten Grüningern das Mütchen kühlen
- statt «spiritistisches» Gedankengut: mystisches oder frommes Gedankengut. Spiritismus ist okkult, dazu hatten die Oberländer keinen besonderen Hang.
-«pietistisch» passt zur Erweckung der Neuzeit, nicht aber zur Reformationszeit. Ich würde dieses Adjektiv daher streichen oder zumindest in Anführungszeichen setzen.
-Kanton Egg, nicht Kanton Grüningen
-Der Name Murer scheint m.W. in den Täuferakten des Oberlandes nicht auf, Ihre Schlussfolgerung halte ich für plausibel.
-Der Apostel (und Jünger) Johannes ist Verfasser der Apokalypse, nicht Johannes der Täufer
-Es gab im Zürcher Oberland 1525 zweifellos ein zeitweise gefährliches sozialrevolutionäres Potenzial im Sinne der Bauernbewegung (Sturm auf die Klöster im April 1525). Das ist unbestritten. Die Frage ist lediglich, ob die Täuferbewegung die sozialrevolutionäre Bewegung unterstützt und noch gefördert hat. Dies halte ich mit Leu und Strübind für unwahrscheinlich, die Täufer waren eine religiöse Bewegung und zündelten höchstens am Rand mit der Bauernbewegung gegen die reformierte Stadt. Und die Täufer kommen erst Anfang Juli 25 ins Oberland, als der erste und stärkste Sturm bereits über die Bühne war.
So viel für heute und mit besten Grüssen
Armin Sierszyn
Galerien | zu: PBA.KGES.111j >
