Arbeitsschule wird Unterricht für die Mädchen
1859 wird im Kanton Zürich ein neues Unterrichtsgesetz eingeführt. Es löst das Volksschulgesetz von 1832 ab und regelt inhaltliche und organisatorische Pfeiler neu. Speziell wird für Mädchen der obligatorische Arbeitsschulunterricht festgeschrieben. Dieser spezielle Unterricht für Mädchen bleibt in abgeschwächter Form bis 1991 bestehen, wo mit dem obligatorischen Haushaltsunterricht für Knaben in der Sekundarstufe strikte Gleichheit für alle im Lehrplan eingeführt wird.
Frauenvereine begleiten die Arbeitsschule
Mit der Einführung der Arbeitsschule 1859 entstehen in allen sechs Schulwachten (Adetswil, Wappenswil, Bettswil, Berg, Thal und Hof) Frauenvereine. Sie fördern und inspizieren den Unterricht und organisieren für die Schulkinder eine Weihnachtsfeier. Für die Frauen war das ein Novum. Während es für Männer fast in jeder Schulwacht einen Gesangsverein, Schiess- und Turnverein und die Feuerwehr gab und ledige Frauen sich in Töchterchören treffen konnten, waren verheiratete Frauen abgesehen vom Kirchgang stark ans Haus gebunden.
Vom Frauenverein der Schule Hof liegen von 1879 bis 1968 zwei Protokollbücher und von 1893 bis 1975 das Kassabuch vor. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass der Verein ab 1859 existiert. Seine Aufgabe war ja, die Arbeitsschule in Zusammenarbeit mit der Gemeinde-Schulpflege zu begleiten.

Frau Guyer-Zeller wird Präsidentin des Frauenverein Hof
Der tiefere Grund, weshalb der Frauenverein Hof 1879 mit dem Schreiben des Protokollbuches begann, dürfte der Tod von Anna Magdalena Guyer-Wepf (19.5.1802 – 14.7.1879), der Mutter des Neuthaler Unternehmers Adolf Guyer-Zeller sein. Der Verein erhielt ein Legat von 1000 Fr.[1], ein ansehnlicher Betrag, und der musste natürlich auch protokollarisch festgehalten werden. Die Zinsen waren bestimmt für die Bedürfnisse des Vereins, und die waren primär die Durchführung einer Weihnachtsfeier in der Schule verbunden mit einem Geschenk für jeden Schüler. Das bestand fast immer in einem Gebrauchsgegenstand wie Kappen oder Socken und «Zuckerwaren» für 30 Rp. Die Arbeitsschülerinnen erhielten einen Gegenstand für ca 3 Fr, die übrigen für 1 Fr.
Der Verein führt jährlich 2 Sitzungen durch, jeweils im April und November. Im ersten Protokoll vom 20. April 1879 wird auch gleich der Kassenstand und die Mitgliederliste präsentiert. Es wird noch vom Gesamtschul Lehrer (1868 – 1897) Karl Bär erstellt. Als Vizepräsidentin wird Frau Meili von Bussenthal und als Quästorin (Finanzen) Jgfr Anna Buchmann von der Hofscheur erwähnt. Die Bezeichnung der Präsidentin fehlt – es ist naheliegend, dass dafür bereits Anna Wilhelmina Guyer-Zeller (1848 – 1910) vorgesehen ist, z.Z. noch nicht Mitglied. In dieser ersten Sitzung im Protokollbuch wird auch Frau Lehrer Bär als Arbeitsschullehrerin «einmüthig» wieder gewählt.
Am 25. Jan. 1880 wird dann in einer ausserordentlichen Sitzung das Legat von Frau Magdalena Guyer sel. bekannt gegeben. In der ordentlichen Sitzung vom 11. April 1880 wird dann Frau Guyer-Zeller als Neumitglied aufgenommen und gleich einstimmig zur neuen Präsidentin gewählt. Der Verein besteht nun aus 11 Frauen (ohne Vorname, aber mit Familienname und Ort bezeichnet) und 11 «Jungfrauen» (mit Vor-, Nachname und Ort).
Die Einnahmen des Vereins bestehen nun aus der Verzinsung des Legats Guyer, den Vereinsbeiträgen der Mitglieder (i.A. 1 Fr, von Frau Guyer und Frau Meyer aus Zürich 10 Fr) und den Bussen, die die Mitglieder für Zuspätkommen (Kat. 1/4, 1/2 oder 3/4 Std.) oder Absenz berappen. Und nicht selten werden grössere Beträge bei Hochzeiten und Todesfällen gespendet.

1937: weniger Sitzungen, dafür Vereinsreisen
Bei der November-Versammlung 1936 waren nur noch 8 Mitglieder anwesend. Bussen für Abwesende gehören der Vergangenheit an. Man beschliesst, wiederum eine «Weihnachtsbescheerung» von 5 frk für jedes Kind zu spenden. Auf eine Weihnachtsfeier wird verzichtet. Man beschliesst, dass die Lehrerin Frl. Hartmann die Gaben am Schulsylvester verteilen möge. «Im vergangenen Frühling wurde unsere Langjährige Präsidentin Frau Marie Hürlimann durch den Tod entrissen. Sie ruhe in Frieden. Von den werthen Angehörigen wurde uns die schöne Gabe von 100 frk übermacht, mit dem Wunsche, dass solche jeweils zu Weihnachtsbescheerungen verwendet werden möchten.
Da die Frühlingsversammlungen immer schlecht besucht wurden, und man nie besondere Geschäfte abzuwickeln hatte, beschloss man, solche einstweilen einzustellen. Die Versammlung wurde geschlossen mit dem üblichen Plauderstündchen im Restaurant Greiffenberg.»[2]
Im neuen Protokoll-Buch ab Nov. 1937 gibt es nun 1 Protokoll pro Jahr. Neben der Frage, was man den Schülern zu Weihnachten schenken könnte, wird nun die Diskussion geführt, wohin die nächste Vereinsreise gehen könnte. Als dann im Kriegswinter 1940 die Kohle rationiert wurde und die Schulen am Samstag und Sonntag nicht mehr geheizt werden durften, verlegte man die Sitzung ins Wirtshaus Greiffenberg. 1943 will Fräulein Hartmann nicht mehr wie im Vorjahr ein Festli für die Kinder machen, «da die Schule durch eine neue Lehrmethode stark beansprucht werde. Es wäre zuviel für die Kinder, noch anderweitig beschäftigt zu werden. … Alsdann musste noch die Hauptsache, das Päckli besprochen werden. Man wurde einig, eine Gabe von fünf Franken jedem Kinde zu verabreichen. Was nun jede Mutter nach Wunsch im Laden auswählen konnte.»
1948 beschliesst der Verein eine Reisekasse zu eröffnen. Er hat nun für die Sitzungen neben der Weihnachtsbescheerung ein zweites Thema.
Von 1962 an nennt er sich «Frauenverein Hof-Neuthal» und ein Jahr später nur noch Neuthal. 1964 verlässt Lehrer Sonderegger die Schule, wahrscheinlich, weil zu viel kritisiert wurde. Es herrsch Katerstimmung. Das letzte vorhandene Protokoll ist von 1968. Eigentlich möchte man als Weihnachtsbescherung für die Schüler nicht unbedingt etwas notwendiges kaufen, aber mangels besserer Ideen entschliesst frau sich für einen Rollkragenpullover. Der Verein beschliesst, die Reisen in Zukunft mit dem Frauenverein Tanne durchzuführen, abwechselnd eine grosse und eine kleine.
1972 wird die Schule Hof geschlossen, aber der Frauenverein Hof existiert weiter bis 2005. Im Kassenbuch, das bis 1975 geführt wird, werden auch 1975 noch Ausgaben für Päckli sowie Reisen ausgewiesen.
Pius Bischofberger, Juni 2026
Literatur
1 - Susi Albrecht: Handarbeit und Hauswirtschaft in Bäretswil 1860 - 1994. 1994, Broschüre
2 - David Kilchör: Zürcher Oberländer. 22.06.2010, 150J Frauenverein Tanne
3 - A. Sierszyn: Festschrift zur Einweihung des Kindergartens Hof-Neuthal am 30. September 1989. , Schule Hof
Einzelnachweise
[1]Anm. , Beim Tod seines Vaters Johann Rudolf Guyer (1803-1876) hatte AGZ mit einer Spende von 2500 Fr. für seine Arbeiter eine «Consum-Genossenschaft» mit Verkaufsladen in der alten Mühle gegründet
[2]Anm. , Später wird das Wirtshaus meistens «Greifenberg» geschrieben















