Mühlen

Die Bäretswiler Mühlen

Schon die Römer kannten die Wassermühlen und vermittelten die Mühle-Technik in ihrem ganzen Gebiet. Unser Wort Müli stammt denn auch aus dem Lateinischen: molina = Mühle, molere = mahlen. Die älteste Mühle, die im Kanton Zürich urkundlich erwähnt wird, ist die von Weisslingen. Im Jahr 764 schenkt der Alemanne Otger dem Kloster St. Gallen seine dortige Mühle. Als die hochadeligen Alemannen Beata und ihr Sohn Landbert in den 740er Jahren dem St. Galler Kloster auch in Bäretswil mehrere Quadratkilometer Alt-Siedelland samt Urwald vermachen, sind keine Mühlen erwähnt; dazu sind die Formulierungen in den Urkunden zu pauschal. Die späteren Verhältnisse zeigen aber, dass damals grosse Gebiete von Bäretswil über Greifenberg bis Neuthal und im 9. Jahrhundert bis über die Töss hinaus an St. Gallen gelangten. Das Kloster St. Gallen hat die Geschicke und Ereignisse von Adetswil bis zur oberen Töss während 1’000 Jahren zunächst direkt, später indirekt, ganz wesentlich mitgeprägt. Wir können davon ausgehen, dass Bäretswil und Adetswil im Einvernehmen mit St. Gallen bereits im frühen Mittelalter zu einer Mühle kamen. Im Neuthal (Müetschbach) ist 1379 eine Mühle der Greifenberger Herren auf altem St. Galler Abteiboden bezeugt. In Wappenswil schliesslich wissen wir aus den Flurnamen des Zehntenbuchs von 1541, dass schon damals auf dem Platz der heutigen Sagi eine Mühle samt Sägerei und Weiher bestanden haben.

Staldenmühle, wohl die älteste Mühle von Bäretswil. Sie war ein Lehen des Klosters Rüti.
Staldenmühle

Die Mühlen wie die Schmitten waren in alter Zeit ehafte (d. h. gesetzlich geschützte) Gewerbe und konnten nur von Grundherrschaften – etwa von einer Gerichtsherrschaft oder einem Kloster – begründet werden. Im Wappenswiler Raum hatte der Ortsadel vom Fehrenwaltsberg (Walpensperger) seit dem 11. Jahrhundert wohl solche Rechte.

Die Staldenmühle unterhalb des Dorfs Bäretswil hat ihren Namen vom Staldenbach, dem Hauptbach, der vom Greifenberg über das Bussental ins Hüttenried und von dort durchs Unterdorf dem Aabach entgegenfliesst. Der Bachname ist seit 1429 in den Urkunden belegt und in der Bevölkerung des Dorfs lebendig (nur die Verwaltung hat den traditionsreichen Bach ca. 2010 in «Mettlenbach» umbenannt). «Stalden» bedeutet ein ansteigender Weg, bei dem man «gestellt» wird (Id. 11,335). Dies war der Fall, als man in ältester Zeit durchs Tobel heraufkam und der Mülirain das letzte Stück Weg nach Bäretswil erschwerte. Der Name «Stalden» findet sich auch bei Kleinbäretswil, Hinwil und Seegräben. Auch in Fehraltorf trägt der Hauptbach seit alters den Namen Staldenbach. Die Bäretswiler Staldenmüli wurde offenbar zunächst mit Wasser aus dem Staldenbach betrieben. Später sammelte der Müller in einem Weiher auf der Müliwiese (heute beim Friedhof) auch Wasser aus dem Aabach.

Erstmalige Erwähnung findet die Staldenmüli im Jahr 1419, als Dietrich Keller von Bäretswil vom Kloster Rüti die Mühle als Lehen empfängt. Als Zeugen walten Hermann Stössel, der Alte, ab dem Allenberg sowie Cüntzlin Weber von Adetswil (Amtsbuch Rüti, StAZ A142.1, S.43b). 1688 meldet Müller Pooli «eine neue Behausung samt der Müli daran, ferner 3 Mahlsteine, 1 Relle, 1 Wasserspycher, 1 Stampfe und Bläue» (Reibe für Flachs und Hanf). Zum Landwirtschaftsbetrieb der Mühle gehören ca. 140 Jucharten (ca. 46 ha) Land, vorzüglich gegen das Schürli und das Oberdorf bis gegen den Hinterberg mit einer dort freistehenden «Ziegelschür». Das heutige Wohnhaus wurde gemäss einer Ofenkachel 1799 erbaut; dazu gehören 1813 ein Mühlegebäude samt zwei oberschlächtigen Wasserrädern mit einer Höhe von 18 Fuss. Im Zug des 19. Jahrhunderts bringt der zunehmende Verkehr Korn und Mehl aus besseren Ackergefilden ins Oberland. Hier aber werden die Wiesen stark vermehrt und gepflegt. Die zunehmend genossenschaftliche Milch- und Käseproduktion drängt den Ackerbau zusätzlich zurück. Um 1900 wird fast nur noch Hafer gemahlen. In der Neuzeit entwickeln sich auf der Mühle kaum Müller-Dynastien:

  • 1515-1547: Oswald Zündel, als reicher Bürger zugleich Kirchenpfleger (Gutsverwalter)
  • 1548 bis nach 1600: Sebastian Egli & Söhne (Urvater der Bäretswiler Egli)
  • Bis 1644 Hans Dürsteler
  • 1645-1722 Hans und Heinrich Pooli
  • 1723-1749 Felix Büeler
  • 1750-1770 Weltli Schoch
  • 1771-1812 Marx Bosshart von Irgenhausen
  • 1813-1859 Müller Pfister
  • 1860-1865 Müller Wolfensberger
  • 1866-1873 Müller Johann Jakob Strehler
  • Ab 1873 Müller Johann Heinrich Pfister

Im 20. Jahrhundert: Zimmermann Strehler von Wald, ab 1947/51 Schlosserei und Sanitär René Sunier. An die Staldenmühle erinnert der 2015 zum neuen Quartiernamen beförderte alte Flurname «Müliweid». Diese grenzte oben an die Adetswiler Güter im Zelgli, lag aber «under dem Zun» und gehörte hinunter zur Mühle.
Seit dem Umbau 1977-78 steht die Mühle unter Denkmalschutz.[1]

Die Mühle in Müetschbach/Neuthal (1379 Mueterspach) ist ein Lehen der Herren auf Greifenberg. Sie ist 1465 in der Hand von Müller Hans Meyer, einem Spross der Bliggenswiler Meyer, die seit 1379 bezeugt sind und bald nach 1400 Zürcher Pfahlbürger werden, d. h. besondere Vertrauensleute der Stadt. Seitdem Zürich ab 1408 das widerspenstige Oberland immer mehr unter seine Fittiche zieht, sucht es auf der Landschaft zuverlässige Bürger. Zu diesem Kreis gehören die Bliggenswiler Meyer oder die Bosshart von Hörnen. Die Müllerdynastie Meyer auf Müetschbach kann die Mühle während Generationen halten; ab 1600 verbreiten sich ihre Söhne samt ihren Familien sogar auf den Mülikram. Doch die Pest im Sommer 1629 vernichtet unerwartet alle Pläne. Die ganze Meyer-Sippe mit zwei bis drei Dutzend Seelen auf der Müetschbacher Mühle sowie im Mülichram wird innert weniger Wochen ausgelöscht.

In der Folge wechseln die Müller im Müetschbach in regelmässiger Folge. 1647 gehören zur Mühle «1 Behausung samt Hofstatt und Scheune, eine Relle, 3 Mahlmülinen, 2 Bluewinen (Bläuen), 1 Säge und Stampfe» u.a.m. 1825 erwerben die Erbauer der neuen Spinnerei (Geilinger & Blum, später Rudolf Gujer) die Wasserrechte von Müller Hans Schoch. Adolf Guyer-Zeller integriert die Spinnerei in sein internationales Geschäft. Damit tritt der unverständliche Name Müetschbach oder Müdsbach mehr und mehr zurück zugunsten des weltläufigeren Neuthal. Der zürcherische Familienname Müdespacher, der im 16. Jahrhundert im Raum Gossau-Egg aufscheint und «Mütispach» genannt wird, weist zurück auf die alte Mühle im Müetschbach. Das Wohnhaus der Traditionsmühle im Neuthal wird bis heute von einem Glied der ehemaligen Fabrikanten-Familie Hegner bewohnt.

Einzelnachweise

[1]Denkmalpflege Kt. ZH. 1982, Zürcher Denkmalpflege 9. Bericht 1977-78

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