1874 baut J. J. Rüegg-Heitz aus Zürich [1] [2] die Fabrik oberhalb des Kemptner-Tobelsgis in Adetswil. Da das Wasser oberhalb der Stalden-Mühle schon intensiv genutzt wird und das Kemptner-Tobel zu eng ist für eine Fabrik, wird sie auf der Anhöhe gebaut und die Wasserenergie vom mittleren Turm über eine Transmissionsanlage genutzt.[3]
1875 Ferdinand Hotz richtet darin nach der Fabrik im Unterdorf eine zweite Seidenweberei ein, die «Fabrik im Tobel» in Adetswil.
1890er Jahre: Im untersten Saal werden Langstickmaschinen aufgestellt. Externe Stickermeister bringen der Adetswiler Bevölkerung das Sticken an den Maschinen bei.[4]

(Theodor Hirzel-Sulzer leitete seit 1875 die Firma «Jost Staub Nachfolger» mit Sitz in Zürich, die in verschiedenen Teilen der Schweiz (zB Samstagern, Brunnen, Ringwil, nicht aber Bäretswil) auf Handwebstühlen Seidenstoffe produzierte).
1911 erwirbt Th. Hirzel nach dem Tod von Ferdinand Hotz das Fabrikgebäude in Adetswil. Er leitet die Fabrik von seinem Sitz in Zürich aus. Der erhöhte Energie-Bedarf wird zusätzlich durch eine Dampfmaschine und von der kantonalen Stromversorgung gedeckt.
1912 Einbau eines Generators im Wasserturm undErsatz der mechanischen Transmissionsanlage durch elektrische Energie-Übertragung.
1914 Die Seidenkrise und zunehmende Konkurrenz setzt der Firma trotz den Anpassungen zu.
1915 Tod von Theodor Hirzel. Firmenname neu Hirzel & Co.
1916 Hans Wettstein jun., der Sohn des engagierten Prokuristen, wird Teilhaber
1918 Anschaffung von 30 neuen Rüti-Stühlen
1920 Errichtung eines Neubaus mit Arbeiterwohnungen
1921 Nach Rücktritt von Hans Hirzel-Zuppinger wird H. Wettstein-Garnjobst Präsident
1923 Einbau einer neuen Francis-Turbine
1925 von England eingeführter Schutzzoll wirkt hemmend auf Exporte
1929 Börsencrash mit folgender Depression. Schweizweit werden Zweidrittel der Seidenwebstühle stillgelegt.
1931 Abwertung des engl. Pfund bringt weitere Verluste
1939 Tod von H. Wettstein-Garnjobst. Nachfolger wird dessen Sohn H. Wettstein-Schweizer
1941/42 Erneuerung und Erweiterung um 3 Sheds
1960-64 Seidenfabrikation von Schwarzenbach AG, Thalwil
1965-74 Frottesana aus Ennenda GL (Frottéewaren aus Baumwolle), übernimmt Belegschaft von Schwarzenbach. Betriebsleiter Max Staub aus Basel. Damit endet nach 100 Jahren die Textilproduktion im Tobel.
1974 Gutta, die ursprünglich aus Glarus stammt, produziert Dach- und Wandwellplatten aus Bitumen und Kunststoff.
1981 Fürchterlicher Brand, aber Produktion wird wieder aufgenommen
2014 Die Fabrik wird Eigentum der Firma Pleisch AG (Produzent von Aktivkohlefiltern)
2017 zerstört ein Grossbrand weite Teile der Produktionsanlagen und Lager. Damit endet der Fabrikbetrieb der Gutta. Ihr Hauptsitz ist nun in Rotkreuz. Da der Bau nicht den energetischen Standards entsprach, entschied die neue Eigentümerin, die APF Holding AG, einen Ersatzbau für Gewerbe- und Büroräume mit zusätzlich zwei Wohnungen im Dachgeschoss zu erstellen.
Pius Bischofberger, Jan. 2026
Literatur
1 - Paul Kläui: Chronik Bezirk Hinwil. 1944, Hirzel & Co., Aktiengesellschaft, S.148f
2 - A. Sierszyn, J. Albrecht: Bäretswil. Ein Heimatbuch. Hrsg. Pol. Gem. Bäretswil 2015, Inhaltsverz. S.198
3 - Hanspeter Bärtschi: Industriearchäologie im Zürcher-Oberland.. SVZ 1985, Jeden Tropfen Wasser nutzen
Einzelnachweise
[1]A. Sierszyn, J. Albrecht: Bäretswil. Ein Heimatbuch. Hrsg. Pol. Gem. Bäretswil 2015, Inhaltsverz. (S.580, Tobel)
[2]Als Gründer der Seidenweberei Tobel werden u.a. auch Heinrich Rüegg (in: A. Sierszyn, Unser Bäretswil, 1983, S.169), Rüegg-Heinz (in: Kläui, Chronik Bez. Hinwil, S.148) oder Rüegg & Wartmann genannt. , Industriepfad
[3]Hans-Peter Bärtschi: Der Industrielehrpfad Zürcher Oberland. 1991, S. 58ff
[4]Schuelgschichte, in: Festschrift zur Einweihung des neuen Schulhauses und der Turnhalle in Bäretswil. hg. Primarschule Bäretswil 1952, Rückschau und Erinnerige vom Gottfried Gretler









