Reformierte Kirche

Ref. KircheKirchstr. 1 (Schulhausstr. 6), von Dekan Waser 1826 erbaut.
Vorgänger Kirchen waren die 1275 erstmals erwähnte Kirche und die mittelalterliche Kirche von 1504.

Pfarrer Wasers Multitalent und eiserne Disziplin führen dazu, dass beim Abschluss der Baute dank Materialspenden, Frondienst und Verkauf von Kirchenstühlen ein Überschuss von 8’717 Gulden resultiert; die ganze Kirche kostete 24’482 Gulden bares Geld, dazu 2’630 Gulden für Turmreparatur, eine Glocke und zusätzlichen Landerwerb! Man muss sich das vorstellen! Wegen der textilen Heimarbeit seit den 1750ern, die ab 1815 eine kurze Nachblüte erreicht, zählt unsere Gemeinde 1827 mehr Einwohner als Wetzikon. Die mechanische Industrialisierung steht im Oberland noch in den Kinderschuhen. Fünf Jahre später wird die erste grosse Weberei in Uster angezündet!

Auf dem Bild erscheint die Kirche im neuen Kleid, das sie 1927 auf die Jahrhundertfeier bekommen hat. Seither gab es keine Aussen-Renovation mehr! Nach mehr als 50 Jahren stünde auch eine Innenrenovation an. Doch Bäretswil allein vermag eine Total-Renovation für geschätzte 6 Mio. allein nicht zu stemmen. Die Kantonal-Kirche aber ist in jeder Hinsicht schwach. Denn sie hat das biblische Evangelium und das helle Licht der Reformation verloren, weil sie immer mehr dem Geist und dem Geld der Zeit nachrennt. Darum fehlen ihr evangelische Kraft, Trost und engagierte Mitglieder, aber auch das nötige Geld. Denn wo Geist wäre, da wäre auch Geld.
A. Sierszyn, Okt. 2020

Die grosse Glocke wurde nach Abschluss des Kirchenbaus 1827 durch Joseph und Karl Rosenlächler zu Konstanz gegossen. Ihre Vorgängerin – 1595 eingeschmolzen und neu gegossen – wurde im Frühjahr 1827 im Beisein von Pfarrer und Mitgliedern der Baukommission im Turm zerschlagen und in Stücken auf den Kirchhof hinuntergeworfen. In Kisten verpackt, führte sie Fuhrmann Friedrich Fenner ab dem Ried bei Bettswil über Winterthur nach Konstanz. Am 4. Juli kam die neu gegossene Glocke nach Bäretswil und wurde in Gegenwart von Rosenlächler in den Turm gezogen.  Erstes Geläute am 10. Juli. Die Glocke trägt die von Pfarrer Waser verfasste Widmung: «Zur Ehre Gottes und zur Freude seiner Verehrer», auf der entgegengesetzten Seite: «Auf das Einweihungsfest der Gemeinde Bäretschweil gegossen». Und unten herum: «Gegossen im Jahre 1827 durch Joseph Rosenlächler und Sohn Karl zu Konstanz». Ihr Gewicht beträgt 3’333 Pfund und kostete die Gemeinde 1’600 Gulden. Die vier kleineren Glocken besorgte ebenfalls Rosenlächler auf den Bettag 1830. (Ein Jahr später erwirbt die Gemeinde vom Konstanzer Tausendsassa auch noch neue Schläuche für ihre drei Feuerspritzen!) Das ganze Geläut wiegt 6654 Pfund, kein übermässiges Gewicht. Das schwerste und kräftigste Geläut im Oberland hängt im Kirchturm von Hinwil. 1953 wurden dort die 13 Tonnen schweren Glocken durch die Schuljugend in den Turm gezogen.

Seit alters rufen die Glocken zum Gottesdienst, zu festlichem Feiern, aber auch zum Abschied. Darüber hinaus melden die Glocken samt dem «Chilezyt» auch in Bäretswil seit Jahrhunderten die Stunden des Tages und was es geschlagen. Als weder Autos noch Motoren dröhnten, war das Geläut – je nach Windrichtung – auch in Neuthal, in Wappenswil, am Allmenrain und in Bettswil zu hören. Das Morgen- und das Betzeit-Läuten geben den Rhythmus des Tages an. Während neun Generationen (von 1745-2010) sind Turm und Glocken der Familie Sigrist Walder zur aufmerksamsten Pflege anbefohlen. Zur alten Zeit, da man noch mit den Seilen läutete, wurde ihm verordnet, keinesfalls zu «überläuten», sondern «immer in dem gehörigen Grad der Stärke und Schwingung». Bei Feuersbrünsten darf nur auf den Befehl des Pfarrers, später des Gemeindepräsidenten oder des Feuerwehrkommandanten Sturm geläutet werden (bis ca. 1950). Von Zeit zu Zeit muss der Sigrist die Schraubenmuttern am Glockenjoch prüfen und ggf. anziehen. Der Ballen bei der Treppe oben im Glockenboden muss beim Läuten geschlossen sein, «damit der Schall mit ganzer Kraft durch die Schalllöcher hinausgedrängt werde». Von Zeit zu Zeit sind die Glocken mit einem Tuch sorgfältig abzureiben.

Vgl. A. Sierszyn, Ein Vierteljahrtausend Sigrist Walder in Bäretswil (1990).

Orgeln sind in den europäischen Kirchen vereinzelt seit Karl d. Grossen (um 800) bekannt. Weil man zunächst die grossen Tasten mit den Fäusten bedienen musste, nannte man die Organisten Orgelschläger. Von der Reformation bis ins 19. Jahrhundert singen die Zürcher Gemeinden weithin einstimmige Psalmen unter der Anleitung von zwei Vorsängern. Die letzten Vorsänger unserer Gemeinde waren die Herren Bachmann (Tanne) und Walder (Oberdorf). Unter dem pietistisch geprägten Pfarrer Johannes Schmidlin entsteht in der Kirchgemeinde Wetzikon ab 1755 eine um sich greifende Singbewegung mit 200 Chorsängern. Auch die Instrumentalmusik wird durch Schmidlin mächtig gefördert. Das 19. Jahrhundert sieht gerade im Oberland grosse Männer- und Gemischten-Chöre. Der Pfarrerssohn Hans Georg Nägeli von Wetzikon gilt ab 1810 als Sängervater und Gründer der schweizerischen Männerchöre. Ab 1860 wächst die Zahl der Zürcher Landkirchen mit eigener Orgel. 1864 Gründung der Fa. Kuhn, Männedorf! 1901 bekommt Bauma eine Orgel, die zunächst noch mit Wasser und Feuerwehrschläuchen angetrieben wird. Als auch in Bäretswil ein Orgelfonds – teils durch kräftige Spender auswärtiger Bürger – ausreichend geäufnet ist, baut die Firma Kuhn 1918 auf die dritte Empore eine ziemlich pompöse dreimanuale Orgel mit 30 Registern, die aber infolge von Fäulnis und Wurmfrass schon 1953 ersetzt werden muss.
A. Sierszyn, 2020

Das Festspiel "Frieden und Freude" zum Jugendfest von 1927 wurde von Otto Schaufelberger geschrieben.

Zum 100-Jahre Jubiläum der reformierten Kirche wurde 1927 ein Jugendfest organisiert, zu dem der Dichter und Lehrer Otto Schaufelberger ein Festspiel schrieb, das zu diesem Anlass aufgeführt wurde.

Zur Geschichte der Kirchgemeinde

Zum «Gedenkblatt zum 400. Todestag Zwinglis und der Zürcherischen Reformation» im Heimatspiegel vom 11. Okt. 1931

und «Im Gedenken an Zwingli» im Heimatspiegel vom Nov. 1943.
Zu «Orgeln im Zürcher Oberland» im Heimatspiegel vom Nov. 1984.
Archäologisch-bauanalytische Untersuchungen und Innenrenovation[1]

Seit 2020 ist Daniel Kunz Pfarrer in Bäretswil (Einsetzung zusammen mit VDM Lukas Zünd am 9.5.2021). Sein Vorgänger war Marc Heise (2003-2020). Aktueller (seit 2010) Kirchenpflege-Präsident ist Daniel Stoller-Schai[2].

Liste der Pfarrer der ref. Kirche Bäretswil seit der Reformation[3]

Das Wissen über die Pfarrei Bäretswil vor der Reformation ist mit dem Brand des Pfarrhauses und seines wertvollen Archivs anno 1572 weitgehend ein Raub der Flammen geworden.

In der Zeit von der Reformation bis zur Einführung der Helvetik war die Zürcher Landschaft Untertanengebiet der Stadt. Höhere Staatsstellen wie Pfarrstellen, Offiziersposten oder Lehrämter an höheren Schulen waren ausschliesslich den Stadtbürgern vorbehalten. Erst Napoleon brachte 1798 in der Helvetik und 1803 mit den Mediationsakten der Landbevölkerung die Freiheit.[4]

In Bäretswil lag die Kollatur, das Recht, den Pfarrer zu bestimmen, seit ca 1200 bei den Landenbergern und wurde über Jahrhunderte weitervererbt, bis sie 1841 schliesslich an den Kanton ging.


Einzelnachweise

[1]Walter Drack: Zürcher Denkmalpflege. 1973, 6. Bericht 1968/69: Ref. Kirche Bäretswil
[2]A. Sierszyn, J. Albrecht: Bäretswil. Ein Heimatbuch. Hrsg. Pol. Gem. Bäretswil 2015, Inhaltsverz. S.360
[3]A. Sierszyn, J. Albrecht: Bäretswil. Ein Heimatbuch. Hrsg. Pol. Gem. Bäretswil 2015, Inhaltsverz. S.125-132
[4]Reto Weiss, Meinrad Suter et al.: Actum 1803, 200 Jahre Kt.verfassung. StAZH 2003, Actum 1803 S.9

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