Wolf Jakob

Jakob Wolf, Pfarrer in Bäretswil von 1896-1939

Portrait von Jakob Wolf, Pfarrer in Bäretswil von 1896-1939.
Pfarrer Wolf

Jakob Wolf, 25.6.1867 – 20.3.1939, von Kempten-Wetzikon, ist zunächst Pfarrhelfer in Wetzikon und wird als Nachfolger von Pfarrer Balmer nach Bäretswil berufen. Mit 19 Fuhrwerken, die seinen Vorgänger zum Bahnhof Wetzikon bringen, wird anschliessend der Junggeselle Jakob Wolf nach Bäretswil geführt und bei vollem Kirchgeläut samt Mörserschüssen empfangen. Zum Umzug eingeladen sind wohl auch diesmal wie bisher üblich alle Mitglieder der Pfarrwahlkommission, des Gemeinderates und der Sekundarschulpflege sowie alle Lehrer. Eine eigens zusammengestellte Musik empfängt den neuen Seelsorger an der Gemeindegrenze, und Gemeindepräsident Jakob Fischer aus dem Stockacher hält vor Ort eine Begrüssungs-Ansprache. Ein Bankett im «Bären» gibt dem festlichen Tag sein Gepräge. Von der Schar der «Singe-Kinder» empfängt jedes ein Stück Brot mit einer Wurst und ein Glas Wein. Bis in die 1920er Jahre sind Kirche, Schule und Gemeinde noch besonders eng verbunden, denn die Kirche bleibt nach wie vor zuständig für die Armen- und Krankenpflege. Letztere wird erst ab den 1960ern allmählich von der Kirche gelöst. Dank der umsichtigen Führung von Pfarrer Waser und seiner beiden Nachfolger[1], die beide einem gemässigten Pietismus zugetan sind, bleiben der Gemeinde hässliche Kulturkämpfe erspart.

Frontseite der Chronik von Jakob Wolf über die Jahre 1901 bis 1907.
Frontseite Chronik Wolf 1901-1907

Zur Sommerzeit um 1897 ist die Firma Schelldorfer in Wappenswil damit beschäftigt, ein neues Dach zu decken. Der grossen Hitze wegen arbeitet man des Nachts. Da plötzlich, im Morgengrauen, sagt einer zum anderen: «Was isch au das für e schwarzes Tier, wo det dur s Riet abe rännt?» Es war der neue Pfarrer, der im Holenstein oben bei Fräulein Fischer «z Liecht» war und jetzt mit seinem Frack eiligst nach Hause eilt. Bald darauf kann Wolf seine Frau aus dem Holenstein ins Pfarrhaus führen.

Wolfs Pfarrdienst während über 40 Jahren ist geprägt durch selbstlosen Einsatz und beste Kooperation mit der Kirchenpflege. Noch geht auch in der Kirche alles seinen gewohnten Gang. Bedeutende Bäretswiler wie die Präsidenten Jakob Fischer, Heinrich Stössel, Reinhold Walder sen. oder den unvergessenen Major Bünzli begleitet er ins Grab.  In seinem 72. Altersjahr, auf dem Rückweg von Krankenbesuchen, erliegt der Seelsorger in der Eisenbahn zwischen Wetzikon und Hinwil einem Herzversagen. Das Billett, das er in seiner Westentasche bei sich trug, wird bis heute von seinen Enkeln gehütet. In der Gemeinde herrscht grosse Betroffenheit. Die Kirchenpflege beschliesst, Pfarrer Wolf direkt an der Kirchenmauer, neben Dekan Waser, zu begraben. «Gerade weil er ein so bescheidener Mann gewesen ist, gebührt ihm dieser besondere Platz ausserhalb der gewöhnlichen Grabreihen».
A.Sierszyn, Okt. 2020

Zur Chronik 1901-1907 von Pfarrer Wolf (Transkription von Meinrad Suter-Koller, Okt. 2020)

Einzelnachweise

[1]A. Sierszyn, J. Albrecht: Bäretswil. Ein Heimatbuch. Hrsg. Pol. Gem. Bäretswil 2015, Inhaltsverz. Bäretswiler Pfarrer seit der Reformation, S.132

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