Webereien in Bäretswil

Die späte Errichtung von Weberei-Fabriken im Zürcher Oberland

In Bäretswil waren um 1800 Spinnerei und Weberei in Heimarbeit weit verbreitet[1]. Mit den Bächen der umliegenden Hügelzüge von Allmen, Stoffel und Greifenberg gab es auch genügend Wasser, und so wurde mit der Spinnerei im Neuthal 1827 schon früh eine grosse Spinnerei-Fabrik eröffnet. Nicht so mit den Webereien. Mit der Spörri-Fabrik gis erhielt Bäretswil 1858 erst spät die erste mechanische Weberei. Das hängt mit dem Schock zusammen, den der Usterbrand 1832 auslöste. Die erste mechanische Weberei im Zürcher Oberland, Corrodi & Pfister in Oberuster, war von erzürnten Oberländer Webern in Brand gesteckt worden – aus Existenzangst – und da waren die Weber von Bäretswil an vorderster Front beteiligt . Die Fabrikherren zögerten mit dem Bau neuer Webereien. In Oberuster wurde erst ab 1837 wieder mechanisch gewoben und Caspar Honegger zog es vor, seine Webmaschinen-Fabrik 1842 ausserhalb des Kantons im schwyzerischen Siebnen zu errichten.
Mit der Verzögerung von 25 Jahren wurde dann aus dem Handweberdorf doch noch ein Zentrum der mechanischen Webereien.[2]

Die 4 grossen Webereien von Bäretswil

Die Seidenweberei Hotz im Unterdorf liegt am Staldenbach (auch Mettlenbach genannt). Die übrigen 3 Webereien gewinnen die Energie vom Aabach. Da das Aabach-Tobel (Kemptner-Tobel) für das Erstellen von Fabriken zu eng ist, wurden die beiden Fabriken Neuegg und Tobel (Adetswil) auf der linken und rechten Anhöhe des Aabachs erstellt und die Wasserenergie über Drahtseil-Transmissionsanlagen zu den Fabriken geführt.[3]
(Zusätzlich wurde das Wasser des Aabachs am Eingang des Kemptner Tobels auch für das Waschen des Kieses durch die Kies AG (später FBB AG) benötigt.[4])

  • Die Weberei Spörri wurde 1858 von Caspar-Emil Spörri mit Hilfe des Webmaschinen Produzenten Caspar Honegger am Aabach gis errichtet und blieb über 4 Generationen bis zum Tod von Felix Spörri (1915-1968) in den Händen der Familie Spörri. 1971 schliesst die Fabrik. Die Räume werden anschliessend für Gewerbetreibende und als Atelier für Künstler verwendet. 2012 werden daraus Wohnungen – Lofts – erstellt.
  • 1862 folgte die Baumwollweberei Neuegg südlich des Kemptnertobels gis durch Hans Jakob Spörri aus der Hinterburg. 1952 Ende der Textilproduktion.
  • 1873 entstand unter Fabrikant Ferdinand Hotz die Seidenweberei Bäretswil im Unterdorfgis. Als «HICO» schloss sie als 1982 als letzte Weberei im Dorf ihre Tore. Damit endete die Textil-Epoche in Bäretswil
  • 1875 gründete Ferdinand Hotz eine zweite Seidenweberei im Tobel gis bei Adetswil. 1911 erwirbt Th. Hirzel die Weberei und stellt auf mechanische Produktion um. 1964 endet die Seidenfabrikation und für 10 Jahre werden hier Frottéewaren produziert, bis dann 1974 mit der Gupta die Textilproduktion schloss.

Die beiden Putztuch-Webereien

Die Firma Wenk betreibt 1906 in der Stöck und seit 1909 in der Hinterburg eine Putztuchweberei. 1916 übernimmt Wenk die Seidenweberei Hotz und macht daraus eine mechanische Baumwollweberei.

rechts Putztuchweberei in der Stöck. zur Bildgalerie
Hinterburg, links ehemalige Milchsammelstelle, rechts «Fabrikli», ehem. Weberei von Tobler
Hinterburg, rechts «Fabrikli», ehem. Weberei. zur Bildgalerie
  • 1906 erstellt Wenk die Putztuchweberei in der Stöck gis.
    Für kurze Zeit werden hier Chromnickelstahl-Erzeugnisse hergestellt.
    1977 richtet Bruno Dietrich hier seine Druckerei ein.
  • 1909 erstellt Wenk in der Hinterburg gis die Weberei.
    1927 kauft Heinrich Tobler die Weberei Hinterburg
    1936 geht die Fabrik gleichzeitig mit der HICO an die „Weberei Wetzikon AG“ von Jakob Gut über. Heiri Tobler bleibt als Betriebsleiter in der Firma.
    um 1944 wird die Produktion eingestellt

Einzelnachweise

[1]Henri Rebsamen: Die Landschaft von Bäretswil. Geogr. Helv. 2,2, S.91ff Juni 1947, Spinnen und Weben
[2]Liselotte Forster: Heimatspiegel, Monatsbeilage des ZO. März 1997, Der Bäretswiler Textil-Epoche auf der Spur (Weitere Fabriken)
[3]Hans-Peter Bärtschi: Der Industrielehrpfad Zürcher Oberland. 1991, S. 58ff
[4]Regula Altorfer: Heimatspiegel, Monatsbeilage des ZO. Juli 1965, Die Wasserrechte im Kemptner Tobel

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