Harmonika-Orchester HOB

Anton Bachmann-Schwarzenbach (1884 – 1984) vom Oberdorf liebte Handharmonika Musik und wünschte sich für Bäretswil einen Handharmonika-Club. In Wald gab es bereits einen Club, geleitet von Paul Nyffeler, der selbst viele der Musikstücke selbst komponierte. 1938 übernahm er als Dirigent den neu gegründeten Club in Bäretswil. Gründungspräsident war Anton Bachmann. Seither haben sie an ungezählten Platzkonzerten, Dorffesten und Abendunterhaltungen musiziert und stets ein begeistertes und treues Publikum gehabt. 1970 wechselte der Handharmonika-Club seinen Namen auf «Harmonika-Orchester Bäretswil» (HOB)

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Drei Nyffeler Generationen

Paul Nyffeler sen. (1905-1954) führte in Wald im «Frohsinn», dem Restaurant seiner (künftigen) Schwiegereltern, seit den frühen 1930er Jahren eine Musikschule. Neben anderen Musikvereinen dirigierte er auch einen Handharmonika-Club erfolgreich und bereicherte ihn mit eigenen Werken. Nyffeler war in Bäretswil kein Unbekannter. Schon seit einiger Zeit erteilte er Unterricht im Säli des Restaurant «Bahnhof», das damals von der Familie Bosshard geführt wurde, den Eltern der späteren Mitspielerin Margrit Bachmann-Bosshard. Hier, im «Resti», fanden die ersten Proben statt. Und ins «Resti» lud Nyffeler die Väter seine Musikschüler, um einen «Handharmonika-Club» zu gründen. 1938 startete der Verein mit dem Vorstand:

Paul Nyffeler sen., erster Dirigent des Handharmonika-Club
Paul Nyffeler sen.

Anton Bachmann, Versicherungsbeamter, Präsident
Paul Nyffeler (sen.), Wald, Vizepräsident
Emil Dietliker, Vorwerkmeister, Quästor (Finanzen)
Ernst Fischer, Webermeister, Aktuar
Albert Honegger, zum Rosengarten, Beisitzer

Im März 1938 findet im «Bären» das Gründungskonzert statt und im Mai das erste «Rosinlikonzert», das für viele Jahre zur Tradition wird. 1940 gab es über 500 Eintritte à 40 Rappen. Ein Grossereignis für das Dorf und den Klub ist im Oktober 1947 das Bahnfest zur Elektrifizierung der Eisenbahn. Im November bemüht sich dann der Klub bei Pfarrer Baumann um die Aufhebung des Verbotes, wonach Konfirmanden und Jugendliche am Abend nicht mehr auf die Bühne dürfen. 1948 umfasst der Klub 32 Aktivmitglieder. Anton Bachmann gibt das Präsidium an Walter Dietliker ab und wird Ehrenpräsident. 1950 beteiligt sich der Klub an der Fahnenweihe der Musikgesellschaft und des Männerchors beim Samstag Abend Programm und beim Umzug am Sonntag. 1951 sterben die Vorstandsmitglieder Fritz Wegmüller und Robert Berchtold. Edit Spörri übernimmt Kasse, Anton Bachmann stellt sich als Revisor zur Verfügung und Theo Angst wird Beisitzender.

Gründungsfoto des Handharmonika-Clubs 1938 im Thisenwaldsberg
Handharmonika-Club bei der Gründung 1938

Als der «Resti» Wirt wechselte, wechselten auch die Proben erst in die Wohnstube des Kassiers Dietliker, dann nebenan zur Fabrikanten-Frau Schärer und schlussendlich ins Primarschulhaus Dorf.

Paul Nyffeler jun. (1933-2024) hatte 1951 bereits als 18-Jähriger an der Augustfeier in Bäretswil seinen grossen Auftritt mit Marschmusik beim Umzug und Konzert auf der Bühne. Anlass für das Fest war das 600-Jahr Jubiläum des Beitritts der Stadt Zürich zur Eidgenossenschaft 1351. Als dann sein Vater 1954 überraschend an einem Herzinfarkt starb und neben einer Knabenmusik, einem Musikverein, der Musikschule auch sechs! Handharmonikaklubs verwaist zurückliess, musste Paul jun. sein Musikstudium abbrechen und die Aufgaben seines Vaters fortführen.

1952 beteiligt sich der Klub am Festumzug und an der Abendunterhaltung bei der Turnhallen- und Schulhaus Einweihung wie auch der Fahnenweihe des TV. 1953 führt der Harmonikaklub zusammen mit Turnverein, Männerchor und Musikgesellschaft anlässlich der Bühneneinweihung am 22. Feb. das Theaterstück «Älplerchilbi» auf. Am 12. Dez. 1954 erliegt der Dirigent einem Herzschlag. Anfangs 1955 wird Paul Nyffeler jun. Dirigent. Wegen fleissigem Probenbesuch erhalten Heidi Capraro-Berchtold, Margrit Schmied-Bachmann, Margrit Bachmann-Bosshard und Max Hausmann (Vater von Peter) ein Löffeli. 1956 fällt die Abendunterhaltung wegen Maul- und Klauenseuche aus. 1960 20. Zürcher Kantonalmusik- und Jubiläumssängerfest in der Festhütte beim Bahnhof. Am 1. Dez. 1963 feiert der Klub das 25-Jahr Jubiläum mit einem Konzert in der Kirche unter Mitwirkung von Musikgesellschaft, Männerchor und Kirchenchor. Dafür wird ein Elektronium angeschafft und der Klub wird zu einem eigentlichen Orchester. 1970 wechselt der Handharmonikaklub seinen Namen auf «Harmonika-Orchester Bäretswil» (HOB). Peter Hausmann entwirft neues Vereinssignet. 1971 führt der Verein beim Bäretswiler Fest zugunsten der Alterssiedlung eine Kaffeestube. Die Vielfältigkeit der Konzerte zusätzlich zur Abendunterhaltung zeigt der Jahresbericht von 1977: Muttertagsständchen in Wetzikon, Brunnenfäscht in Isikon, Füürweerfäscht Robenhausen, 100 Jahre Männerchor Kempten, Platzkonzerte beim Restaurant Halde in Bettswil, Restaurant Tanne in Baurna, Gemeindehaus. Durchführung und Organisation des Chilbitanzes und Chlausfeier der Zeltplatzfreunde in Pfäffikon. 1981 spielt das HOB zum 100-jährigen des Frauenvereins und des Turnvereins. 1982 übernimmt mit Elsbeth Hubmann-Egli erstmals eine Frau das Präsidium.

Auftritt des Harmonika-Orchesters bei 150-Jahr Jubiläum des Männerchors 1985
Auftritt des Harmonika-Orchesters bei 150-Jahr Jubiläum des Männerchors 1985

1982 übernimmt Reto Nyffeler (*1964) nach dem überraschenden Rücktritt seines Vaters als 18-Jähriger das Orchester. Der 100-jährige Ehrenpräsident Anton Bachmann dirigiert 1984 bei seiner Ehrung das Orchester. Drei Monate später stirbt er. 1985 musiziert das HOB zum 50-Jahr Jubiläum des Musikvereins und zum 150-jährigen des Männerchors. 1987 nimmt das HOB erstmals an einem internationalen Akkordeonmusik-Wettspiel in Roveredo (Mesox) teil und gewinnt. Das HOB wagt sich an das Einstudieren von klassisch konzertanter Literatur und gibt im Herbst in den Kirchen Russikon und Bäretswil viel beachtete und gelungene Kirchenkonzerte. die, zusammen mit dem Männerchor und der Musikgesellschaft, in der Kirche Bäretswil ihre Fortsetzung finden.

Das Harmonika-Orchester bei seinem 50-Jahr Jubiläum 1988
Das Harmonika-Orchester bei seinem 50-Jahr Jubiläum 1988

1988 feiert das HOB das 50jährige Jubiläum mit einem Jubiläumskonzert am 19. März in der Turnhalle und zusammen mit Musikverein und Männerchor einem Jubiläums-Kirchenkonzert am 30. Oktober in der ref. Kirche.

1990 spielt das Harmonika-Orchester bei «Diräkt us Bäretswil». Die Teilnahme bei diesem Anlass ist nicht eitel Freude. Die vielen Sitzungen und Proben für diesen Anlass sind ermüdend.

1991 feiert Bäretswil das Doppel-Jubiläum 1250 Jahre Bäretswil und 700 Jahre Eidgenossenschaft. Ganz im Sinne dieser Feier wird auch das Konzert vom 16. März von zwei Nyffeler dirigiert: Der 1. Teil zum 1250 J Bäretswil von Paul Nyffeler jun. und der 2. Teil zu 700 J CH von dessen Sohn Reto. Es ist eines der letzten Konzerte des HOB, das von Nyffelers dirigiert wird: 1992 gibt Reto Nyffeler nach 10jährigem Einsatz den Dirigenten-Stab ab … und der Leidensweg des HOB beginnt.

Nach drei Nyffeler noch drei Dirigenten.

Bei der Abendunterhaltung vom 21. März 1992 dirigiert Reto Nyffeler zum letzten Mal. Sein Nachfolger wird sein Schüler Werner Jung aus Schänis. Dieser übernimmt ein Jahr später auch die Musikschule Nyffeler in Hinwil. Am 14. Juni 1994 spielt das HOB zur Eröffnung des Textil-Maschinen-Museums Neuthal. An der GV 1996 gibt Margrit Schmied-Bachmann, die Enkelin des Gründungs-Präsidenten Anton Bachmann, nach 42 Jahren Vereinstätigkeit und 9 Jahren Präsidium den Austritt aus dem Verein. 1988 war sie als Präsidentin zuständig für das 50-Jahr Jubiläum des HOB. Sie ahnt nicht, dass sie 50 Jahre nach ihrem Eintritt 1954 im 2004 wiederum als Präsidentin die Auflösung des HOB organisieren muss!

1997 spielt das HOB zusammen mit Musikverein und Männerchor bei der Lok-Taufe zu 50-Jahre Elektrifizierung der ehemaligen UeBB. Am 14. März 1998 feiert der Verein 60 Jahre HOB und spielt den Gründungsmarsch von Paul Nyffeler sen., und einen Monat später überrascht er mit einem Ständchen zur Hochzeit seiner beiden Mitglieder Heidi Capraro und Godi Burlet.

1999 Werner Jung kündigt, da seine Lohnforderungen nicht akzeptiert werden. Der durch Inserat gefundenen Dirigenten Daniel Studer erfüllt die Erwartungen nicht. Neu übernimmt Wasilij Pirijok den Dirigentenstab. Und nun geht’s schnell dem Ende entgegen. In dieser Krise stellt sich Margrit Schmied nochmals als Präsidentin zur Verfügung. Aber auch sie kann das sinkende Schiff nicht mehr retten. War es der Zeitgeist, die mangelnde Konzentration oder Pech mit den Dirigenten?

In der ausserordentlichen GV vom 23. August 2004 muss der Verein aufgelöst werden, da sich niemand mehr für den Vorstand finden lässt. Aber ganz zu Ende ist es noch nicht: wie bei der Auflösung des Vereins beschlossen, treffen sich Mitglieder bis heute monatlich zur Pflege von Kameradschaft und Geselligkeit.

Pius Bischofberger, 15. Nov. 2025

Literatur

1 - HOB. Protokollbuch 1, Anfang 1938 (Gründung) bis GV vom 26. April 1958. , Auszug
2 - HOB. Protokollbuch 2, 15. Mai 1958 - 30. Okt. 1988. , Auszug
3 - HOB. Protokollbuch 3 (1. Teil), 11. März 1989 - 15. Dez. 1997. , Auszug
4 - HOB. Protokollbuch 3 (2. Teil), 7. Feb. 1998 - 1. Nov. 2004 (Auflösung). , Auszug
5 - HOB. Protokolle zur Auflösung des Vereins 2004. , Protokolle
6 - Helmut Fröhlich: Festschrift zum 50-Jahr Jubiläum des «Harmonika-Orchesters Bäretswil». 19. März 1988, Festschrift
7 - Mitglieder des «Harmonika-Orchesters Bäretswil» (unvollständig). 1988 - 2004, Verzeichnis

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